Ghost BathMoonlover
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Label:
Northern Silence
VÖ:
10.04.2015
Referenzen:
Deafheaven, Woods Of Desolation, Deep Mountains, Ellende, Celeste
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Autor: |
| Mark-Oliver Schröder |
Als ich das erste Mal bei Bandcamp über chinesischen Black Metal gestolpert bin, war es ein Album von Deep Mountains, das meine Aufmerksamkeit erregte. Ich gebe es offen zu: Zuerst war es hauptsächlich das neuartig Fremde, das mich neugierig machte und außerdem gefiel mir die Idee, dass einigen gestandenen Wikingern, die mit Burzum-Platten unterm Kopfkissen schlafen, allein schon bei dem Gedanken an sinophonen Black Metal nicht nur die Nackenhaare zu Berge stehen sollten. Die Musik ihrer Labelkollegen Ghost Bath, angeblich eine ebenso mysteriöse chinesische Band, schien sich musikalisch als nicht minder beeindruckend zu entpuppen.
Aber Stop, da ist der erste vermeintliche Skandal des noch fast jungfräulichen Metaljahres: Ghost Bath kommen gar nicht aus China, sondern aus der höchst amerikanischen Kleinstadt Minot in North Dakota und haben mit ihren Vorgaben sowohl ihr chinesisches Label als auch die Presse (mich eingeschlossen) zum Narren gehalten. Dabei machte schon die Recherche zu ihrem zweiten Album „Moonlover“ ein wenig skeptisch, denn es fanden sich kaum Informationen im Netz, keine und wenn nur unkenntliche Bilder und außer der Encyclopaedia Metallum führte sämtliche vorhandene Referenz nach China. Ein klarer Fall von „Man glaubt der Mehrheit“ hatte sich entwickelt (wie und warum das funktioniert, haben schon Sherif und Asch untersucht und beschrieben). Die Aufregung war groß, wobei in einem Genre, das von Anfang an größten Wert auf Mythen und Pseudonyme legte und legt, diese Camouflage ins Spiel mit Identitäten zu passen scheint und sich im Black Metal als chinesisch auszugeben, wenn hinter der nächsten Ecke schon der bleiche Rassist und NSBM-Arier lauern kann, dann auch schon wieder etwas beinahe Subversives hat.
Für ihr zweites Album „Moonlover“ beackern Ghost Bath ein Feld, dessen Saat nicht erst seit Deafheaven in voller Blüte steht. Trotzdem ist es die Band aus San Francisco, die einem sofort in den Sinn kommt, oder Woods Of Desolation aus Australien. Auch Ghost Bath mögen ihren Black Metal, der zumeist noch dem Untergenre „Depressive-Suicidal Black Metal2 zugerechnet wird, sehr atmosphärisch, aber oftmals gesellen sich zu diesem Grundgerüst pointiert hochmelodische, stark in den Vordergrund tretende – ich nehme jetzt dieses böse Wort in den Mund – nahezu poppige Momente. Das Ergebnis kann sich mehr als hören lassen, da prallen Zuckerbäckermelodien auf Folk, Klavier, Wall-of-Sound-Gitarren und fette Riffs. Da rattern Blastbeats, es wird Midtempo-powerrockig ins Wasser gegangen und zu all dem faucht-kreischt der Sänger Unverständliches, aber mit Sicherheit keine Schmuselieder.
Überhaupt ist es das Gemenge und die Dynamik aller Ingredienzien, die aus „Moonlover“ einen zuckersüßen Schierlingsbecher zaubern. Wer sich auf dieses Abenteuer einlassen will, dem sei zum Einstieg „Golden Number“ oder das Duo aus „The Silver Flower Pt. 1 & 2“ empfohlen, spätere Sucht nicht ausgeschlossen. Aber bitte nicht im Morgengrauen bei romantisch deutschem Nebel zum nächsten Weiher pilgern.


