Gegen jede Regel der guten Musikschreibe sei an dieser Stelle mal der Promoaufkleber auf dem Cover zitiert:  “[Der Weg Einer Freiheit is] the future of German Extreme-Metal – Mille Petrozza, Kreator”. Und kann Mille falsch liegen?

Interessant ist, dass er nicht von Black Metal spricht, auch wenn Der Weg Einer Freiheit per (Eigen-)Definition eigentlich eine solche Band sind (die ganze Diskussion um Hipster-Black-Metal, welche die 2008 gegründete Würzburger Gruppe begleitet, lassen wir jetzt mal außen vor).  Der erwähnte Aufkleber verkündet auch noch, dass Der Weg Einer Freiheit etwas für Fans von Deafheaven oder Krallice sei.

Diese Aussage ist mit Sicherheit nicht ganz falsch, dennoch hinkt der Vergleich, denn ihnen fehlt beispielsweise im Vergleich mit Deafheaven einfach deren Gespür dafür, was „Sunbather“ so außergewöhnlich, so perfekt machte – das übergeordnete Timing, der Flow, die Mischung aus „sanft und krass“, das Gespür für das Album als Gesamtkunstwerk. Sicher folgt auch „Stellar“ zumindest konzeptuell einem übergreifenden Thema, der Fokus liegt aber eher auf der maximalen Wirkung der einzelnen Songs.

Das Album eröffnet erst einmal mehr in der Tradition einer Noise- oder Stoner-Band und Nikita Kamprad – inzwischen nicht nur Mastermind und Gitarrist der Band, sondern nach dem Ausscheiden von Mitgründungsmitglied Tobias Jaschinsky auch Sänger – beginnt auch eher untypisch für das Genre mit Klargesang. Sobald allerdings das Schlagzeug voll einsetzt und die Blastbeats losbolzen, springt man zu seinen Boxen und möchte diese auf dem Boden festnageln. Der Weg Einer Freiheit präsentieren einen Sound, gerade in den Drums, der so nicht allzu oft im Black Metal anzutreffen ist. Das Schlagzeug von Tobias Schuler hat eine brutale Präsenz im Mix und in der Kombination mit den permanenten Hochgeschwindigkeits-Double-Kicks entsteht nicht der typische, sich trotz aller ausgestellter Aggressivität mit Annäherung ans Rauschen entwickelnde Ambient-Effekt; vielmehr bleibt eine thrashige, adrenalingeschwängerte Alamiertheit als bestimmender Eindruck. Daran ändern auch die beiden (Tremolo-)Gitarren von Kamprad und Sascha Rissling sowie der Bass von Giuliano Barbieri nichts.

Überhaupt ist die gesamte Produktion mit „satt auf die Fresse“ gut beschrieben, lässt aber dadurch eine, sonst im Black Metal gern in Kauf genommene, kontemplative Rezeptionshaltung über die gesamte Albumlänge nicht so einfach zu. Bei zu hoher Dosierung kann man davon sicherlich Kopfschmerzen bekommen, aber hier schließt sich der Kreis zu Milles Aussage: Der Weg Einer Freiheit spielen extremen Metal – und der darf auch mal wehtun.

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