Hysterie hatte Laura Marling noch nie nötig. Sie bewegt sich geschmeidig, unbeeindruckt und immer so, als sei sie ihrem Gegenüber zumindest einen kleinen Schritt voraus. Als erzähle sie Geheimnisse der Welt und ihrer Vorgänge, die nur sie offenbaren kann. Marlings Aura erscheint zurückhaltend und fordernd zugleich und wurde seit ihrem ersten Album zunehmend perfektioniert. Sie ist in jedem Ton ihrer Musik wahrnehmbar.

Laura Marling ist hervorragend an der Gitarre, wie niemand sonst erzählt sie ihre Geschichten mit unnachahmlich seidiger Stimme. Dabei wechselt sie Genres und Stimmungen wie andere die Blickrichtung. Forsch fragt sie „Do I look like I’m fucking around?“ („Don’t Let Me Bring You Down“), erklärt dann aber liebevoll „I’m yours and you’re mine“ („Divine“). Jeder Mensch hat mehrere Facetten, aber Marling jongliert und offenbart das Mosaik ihrer Persönlichkeit schonungslos in ihren Songs und scheint damit nicht das geringste Problem zu haben. Sie gibt sich verletzlich und einsam, dann wiederum stark und bedrohlich.

Wie auf ihren letzten Alben kämpfen, rangeln und beißen sich diese beiden Seiten auch auf „Short Movie“: Der Eröffnungssong „Warrior“ vertraut nicht und stellt hoffnungslos fest: „You’re not the warrior I’ve been looking for […] You have my love but it will not make you grow“, beendet wird die Platte dann aber mit dem von Streichern getragenem Flehen „Sit down and worship me“. Marling ist nicht oberflächlich, geht unter die Haut und spricht von Bedeutsamem. Vielleicht manchmal kryptisch, mal auf der Jagd mit geschärften Sinnen, anderswo gehetzt und verängstigt.

Obwohl die Musikerin seit über einem Jahr in Los Angeles lebt, nahm sie ihr fünftes Album in England auf. Es geht ein wenig elektrischer zu als noch bei den hauptsächlich akustisch gehaltenen Vorgängerwerken, ansonsten aber reiht sich „Short Movie“ in das bemerkenswerte Gesamtwerk Marlings ein und enttäuscht keine Sekunde. Mittlerweile erscheint es überflüssig, zu erklären, wie intensiv, wie gut, wie ergreifend und verzaubernd Marlings Songs sind. Darum wird an dieser Stelle davon abgesehen und nur so viel gesagt: Starke Platte!

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