Musik ins Auge – Der Musikvideo-Roundup (Februar III)

Jack White ist der König der Gimmicks. Vielleicht weil es in den USA kein YPS-Heft gibt, kommt der vermeintlich erwachsene Mann nahezu monatlich nicht nur mit einem aufmerksamkeitsheischenden Vinyl-Stunt um die Ecke, sondern nun auch mit einem Musikvideo, bei dem man (mit dem richtigen Browser) durch drei verschiedene, simultan laufende Bilderwelten schalten kann.

Nun könnte man so manches Musikvideo-Konzept essentiell als Gimmick ansehen, das vor allem dazu dient, knackige Artikelüberschriften auf möglichst vielen Webseiten zu fördern, die über den kleinen Kreis der Musikmedien hinausgehen. OK Go sind in dieser Hinsicht wohl unübertroffen, verstehen es aber eben auch, ihre Clips durchweg unterhaltsam zu gestalten – ein besonders gutes Musikvideo sollte mehr als nur eine Grundidee sein. Bestes Beispiel dafür ist Guillaume Panariellos Zeitlupenschwenk, der ähnlich wie Thom Glunts Video zu SOHNs „Artifice“ fünf Sekunden Panorama-Action dank extrem hoher Kamera-Bildfrequenz auf mehrere Minuten Langsamkeit dehnt. Der Clou ist jedoch, wie das Szenario von Millisekunde zu Millisekunde dank viel digitaler Nachbearbeitung (als ob man sowas mehrfach mit einer Katze machen könnte) durchgedrehter wird.

Ein clever ausgearbeiteter Effekt steckt auch hinter Carlos Lopez Estradas chaotischem Privatleben eines kantiges Pärchens, visuell unbedeutend aber dennoch extrem amüsant ist Emmy The Greats Hommage an StSanders‘ „Shreds“-Parodien. SSION alias Cody Critcheloe zeigt ein bestechendes Auge für Los Angeles, das auch Max (Sohn von John) Landis im Found-Footage-Stil langer Egoperspektiven-Takes im Chaos eines Meteorhagels navigiert. Ansonsten gibt es diese Woche ungewöhnlich viel makabres Blut- und Körpergefetze: Bob Gallagher führt einen hysterischen Tanz im Obduktionsraum auf, Judas begleitet eine Zombiefamilie beim idyllischen Nachmittagspicknick und L.A. darf einmal mehr als Schauplatz herhalten, den Lance Drake von seiner nächtlich unheiligsten Seite zeigt.

Bonus-Gore: Wer Emile Sornins genüssliches Splatter-Werk für Dizzee Rascal verpasst hat, das letztes Jahr nur für ein paar Stunden online war, kann sich den Körperspalter-Spaß hier in bester Qualität zu Gemüte führen.

Siska – Unconditional Rebel

Regie: Guillaume Panariello

 

Black Taxi – Take Off The Edge

Regie: Carlos Lopez Estrada

 

Lower Dens – To Die In L.A.

Regie: SSION

 

Girl Band – Why They Hide Their Bodies Under My Garage?

Regie: Bob Gallagher

 

Ariana Grande – One Last Time

Regie: Max Landis

 

Shlohmo – Buried

Regie: Lance Drake

 

Erevan Tusk – Growing

Regie: Judas

 

Emmy The Great – Swimming Pool

Regie: Emmy The Great

 

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