Father John MistyI Love You, Honeybear
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Label:
Sub Pop
VÖ:
06.02.2015
Referenzen:
Nick Garrie, Rufus Wainwright, Phil Ochs, Duncan Browne, John Grant, Randy Newman
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Wird man es jemals schaffen, das Œuvre Josh Tillmans zu beschreiben, ohne ihn auf seine kurze Fleet-Foxes-Episode zu reduzieren? Schließlich hatte er es vorher, während und auch danach im Alleingang oder unter seinem Alter Ego Father John Misty auch schon auf eine erhebliche Anzahl guter bis sehr guter Alben gebracht, die mal mehr, mal gar nichts mit der harmonischen Folkwucht seiner nominellen „Hauptband“ zu tun hatten. Mit „I Love You, Honeybear“ wird die Entfernung nur noch größer.
„I Love You, Honeybear“ ist Liebesleid, Liebesfreud, in sachte, aber umso mehr herzwärmende Klänge verpackt. „I Love You, Honeybear“ ist aber auch zynische Selbstbetrachtung im Spiegel, jenseits und diesseits aller Romantik, aber doch in solch blumige, zärtliche Arrangements verpackt. Tilman spielt mit dem bewussten Zwiespalt, der sich an Metaphern von außerordentlicher Strahlkraft versucht, die aufgrund ihrer potentiellen Lautmalerei so wundervoll in die breite und opulente Orchestrierung passen und sich erst auf das zweite Ohr als kritischer Gegenpol entpuppen.
Er singt von Beziehungen und Begegnungen – manche flüchtig, manche von irrsinniger Intensität. Mal sind es scheinbar episodenhafte Begebenheiten wie in „Strange Encounter“, die sein Gefühlsleben von innen nach außen kehren, mal beängstigend reale Wunschvorstellungen und Mutmachgeschichten wie „The Ideal Husband“. Ersteres stellt sich als lupenreine barocke Popballade heraus, die irgendwann einmal auch Rufus Wainwright aus der Feder geflossen wäre, bei Letzterem dreht Tillman am Lautstärkeregler und gibt mit intensiver Rocknote deutlich mehr Gas.
Tillman ist ein ehrlicher, gerne aber auch unbequemer Geschichtenerzähler. Gerade im herausragenden pianogetragenen „Bored In The USA“ wird das mehr als deutlich. Nicht nur durch das eingestreute Gelächter eines imaginären Publikums, nicht nur durch den Springsteen zitierenden Titel, auch der Text selbst ist zwar garstig, doch längst nicht so kontrovers, wie es das Zwischenspiel glauben machen möchte. Es ist vielmehr die liebliche, weiche Stimmfarbe Tillmans, die den das ganze Album durchziehenden subtilen Humor bewusst zu verharmlosen versucht und so eine Art Metaebene errichtet, die nicht alles so meinen könnte, wie sie es sagt.
Doch ist bei Weitem nicht alles auf „I Love You, Honeybear“ von beiläufiger Komik durchzogen. Es sind auch die Liebesbekundungen, die zumeist sehr kreativ im Text, aber eben auch sehr aufrichtig daherkommen. „I need someone I can trust to protect me from our seven daughters when my body says „enough!“ singt er im abschließenden, streicherumschlingenden „I Went To The Store One Day“ oder noch plastischer direkt zu Beginn: „Everything is doomed and nothing will be spared, but I love you, honeybear“ im ausufernden Titeltrack. Tillman wählt dazu die Begleitumstände in bester Barock-Pop-Manier aus: Streicher in größtmöglicher Dosierung, Bläser an ausgewählten Stellen und hier und da den einen oder anderen elektronischen Impuls.
Man genießt bei „I Love You, Honeybear“ jede Note, jede Melodie bis zum letzten verhallenden Ton und fühlt sich in der weichen und wärmenden Produktion von Jonathan Wilson unfassbar wohl. Beinahe wähnt man sich zurück in die späten 60er und 70er Jahre zurück, als mit Nick Garrie, Phil Ochs und Duncan Browne so einige weitere Heroen des sonnendurchfluteten Popgefühls für Furore sorgten. Tillman geht den entscheidenden Schritt weiter und legt ein wenig mehr Stirnrunzeln zwischen den Wohlklang. Genau das macht „I Love You, Honeybear“ zu einer solchen Versuchung.


