Sea WitchSo Below
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Label:
Small Doses
VÖ:
04.12.2014
Referenzen:
Hell, Godspeed You! Black Emperor, Sunn O))), Earth
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Autor: |
| Mark-Oliver Schröder |
Eine Kunst im Black Metal oder Doom ist es, eine Stimmung zu erzeugen, ein Gefühl zu evozieren, uns zu packen und nicht mehr loszulassen, uns mitzunehmen auf eine Reise – was für eine abgeschmackte Worthülse ist denn das überhaupt … Aber trotzdem: Sea Witch aus Dartmouth in der kanadischen Provinz Nova Scotia beherrschen diese Kunst mit nahezu dämonischer Präzision. Das beginnt schon beim Cover, welches das monochrom schwarze Bild eines namenlosen Dreimasters ziert. Das Schicksal des realen historischen Schiffes, das hier fotografiert wurde, kenne ich nicht, aber man erahnt schon, dass es mit ihm und seiner Besatzung in der Erzählung „So Below“ wohl kein gutes Ende nehmen wird.
Die Fahrt beginnt eigentlich noch recht zuversichtlich: „As Above“ eröffnet leicht wehmütig mit Schifferklavierklängen, die fern jedweder Kitschgefahr vorgetragen werden. Deren Wehmut geht völlig in Ordnung, bedenkt man, dass Seeleute im vorindustriellen Zeitalter ihren Heimathafen oft für mehrere Monate, wenn nicht gar Jahre verließen und eine Rückkehr nicht immer gesichert war. So begleitet, verlässt das namenlose Schiff den sicheren Hafen. Die Melodie des Schifferklaviers verklingt und brodelnde, unruhige See kommt auf. Das Schlagzeug setzt ein und treibt die tonnenschweren und tiefbassigen Riffs, die sich wie haushohe Wellen aufbauen, voran. Die Becken malen die weiß schäumende Gischt auf das nun tobende rabenschwarze, unergründliche (Gitarren-)Meer und alles verschwindet langsam in der Tiefe. Dann eröffnet „Dragged Across The Ocean Floor (I)“ mit einer Paraphrase der Jona-Geschichte und Melvilles Ende von „Moby Dick“, vorgetragen mit düsterem Duktus. Den weiteren Fortgang der Geschichte in „Dragged Across The Ocean Floor (II)“ und der Konklusion in „So Below“ sollte jeder im eigenen Kopfkino durchspielen.
Die Musik von Sea Witch lebt zu einem sehr großen Teil von vermeintlicher Simplizität, Repetition, Noise, Drone und der schieren Zeit, die sich die beiden Kanadier zu deren Ausformung nehmen. Dass „So Below“ auch noch hervorragend als Gesamtkunstwerk aus Bandname, Artwork und Musik funktioniert, hoffe ich mit meinen bisherigen Ausführungen verdeutlicht zu haben, gehen die einzelnen Elemente doch eine Allianz ein, die so – auch in diesen Genres – nicht oft erreicht wird. Sea Witch geben eine großartige und durch und durch stimmige Darbietung und wenn „So Below““ ihr zweites Demo ist, kann ich das erste „richtige“ Album kaum erwarten.
Hätte ich Sea Witch nicht erst nach Fertigstellung sämtlicher Jahreslisten entdeckt, ein Platz unter den ersten 15 wäre ihrem „nautischen“ Doom, wie sie ihn auf „So Below“ zelebrieren, wohl sicher gewesen. So bleibt nur einmal mehr zu sagen, dass 2014 ein verdammt gutes Jahr für Doom war und wir gespannt sein können, was uns 2015 erwartet. Insgesamt hat sich Metal in den letzten Jahren von einer Veranstaltung von Vorgestern zu einem der interessantesten Genres entwickelt.


