The Rural Alberta AdvantageMended With Gold
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Label:
Paper Bag
VÖ:
10.10.2014
Referenzen:
Dan Mangan, Bright Eyes, Band Of Horses, Port O'Brien, Neutral Milk Hotel
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Autor: |
| Klaus Kuhlenbeck |
Das schwierige dritte Album. Vermutlich wurden schon ganze Bücher und Doktorarbeiten unter dieser Überschrift verfasst, um zu ergründen, warum aufregenden Debüts in schöner Regelmäßigkeit etwas überhastet nachgelegte Zweitwerke folgen und sich anschließend die Frage stellt, wie es weitergehen soll. Pferd totreiten, sich neu erfinden und/oder Verabschiedung in die musikalische Belanglosigkeit? Die Liste des Versagens in dieser Schaffensphase ist lang. Sehr lang. The Rural Alberta Advantage standen mit „Mended With Gold“ ebenfalls vor dieser Herausforderung und haben die sichere und unspektakuläre Variante gewählt.
Ihr bemerkenswertes Debüt „Hometowns“ (2008) überraschte mit schrammeligem Lo-Fi-Folkrock, der nicht zuletzt aufgrund der verzerrten Akustikgitarre und des nöligen Gesangs von Nils Edenloff angenehme Erinnerungen an Neutral Milk Hotel weckte. Etwas Besonderes wurde diese Platte durch das energische Schlagzeugspiel von Paul Banwatt und die charmanten Zwischentöne des dritten Bandmitglieds Amy Cole. Mit dem soliden Nachfolger „Departing“ (2011) festigte das kanadische Trio seinen Stil und begradigte den Sound etwas, büßte damit aber auch ein Stück Intimität ein.
„Mended With Gold“ ist im Grunde die logische Weiterführung dieser Entwicklung. Der Sound ist noch klarer und satter, es scheppert nur noch sporadisch und der Überraschungseffekt ist nahezu gänzlich verpufft. Letzteres liegt zum Einen an dem etwas begrenzten musikalischen Korsett der Band, zum Anderen aber auch an den seltener gewordenen mitreißenden Momenten und dem Verharren in altbekannten Mustern. Der solide Nachfolger eines soliden Nachfolgers eben.
Zum Schreiben der Songs hat sich Nils Edenloff in eine Hütte inmitten der kanadischen Einöde zurückgezogen. Es war aber wohl nicht die Hütte von Justin Vernon, denn herausgekommen ist ein vergleichsweise rockiges Werk, das nicht mehr nach intimer Clubatmosphäre klingt, sondern eher an mittelgroße Festivalbühnen denken lässt. Die von The Rural Alberta Advantage gewohnte Bandbreite von melancholisch („The Build“) bis krachig („All We’ve Ever Known“) bleibt hingegen ebenso erhalten wie die textliche Auseinandersetzung mit den Themen Liebe und Heimat. Es gibt keine großen Ausreißer, weder nach oben, noch nach unten. Sorgsam arrangierte Songs, routiniert dargeboten und damit leider eine Spur zu konventionell, um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.
Trotzdem ist „Mended With Gold“ keineswegs ein schlechtes Album, sondern ein in sich geschlossenes Werk einer authentischen Band, der man die Überzeugung an dem, was sie macht, jederzeit anhört. Die sehnsüchtige Grundstimmung der Songs sorgt in Verbindung mit den wuchtigen Arrangements und den genreuntypischen Schlagzeugattacken letztendlich dafür, dass die Platte noch ein gutes Stück aus der musikalischen Belanglosigkeit herausragt. Kurz gesagt: Das eingangs erwähnte Pferd sieht besser aus als je zuvor, aber es ist irgendwie müde.


