MONORays Of Darkness
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Label:
Pelagic
VÖ:
24.10.2014
Referenzen:
Ulver, Envy, Explosions In The Sky, Sunn O))), Set Fire To Flames
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Autor: |
| Uli Eulenbruch |
Zu Beginn des 15. Bestehungsjahres von MONO gab es einiges, worauf man sich verlassen konnte: pathosreicher Instrumentalrock mit Filmsoundtrack- oder majestätischem Landschaftsdoku-Potential; graduelle Steigerung der Lautstärke, deren Höhepunkt besonders in den Liveshows einer entfesselten Naturgewalt nahekommt; Entspannungszonen nach solchen Lärmentladungen; ausgedehnte Albumspielzeiten; klassische Begleitinstrumente, die von den ersten Streichern auf „Under The Pipal Tree“ allmählich bis zu kompletten Orchestern anwuchsen; und eben leider, dass zuletzt die Kompositionen abflachten, bekannte Ideen x-mal wiederholt wurden und die vorhersehbaren Wendungen an emotionaler Ausdruckskraft abnahmen.
„Rays Of Darkness“ wirft so einiges davon über den Haufen. Abgründiger, chaotischer und ideenreicher als zuletzt ist es das stärkste Album des Tokioter Quartetts seit „Palmless Prayer / Mass Murder Refrain“, der Kollaboration mit World’s End Girlfriend anno 2005. Nicht allein die ähnlich aussichtlose Stimmung hält diese vier Stücke über 35 Minuten frei von Kitschanfällen: Erstmals gibt es auf einem MONO-Album keine Streicher als tonal weiche oder süße Kontrastoption. Stattdessen führt leicht im Abseits von „Surrender“ die Trompete von Calexicos Jacob Valenzuela einen Trauermarsch an, ihre langgezogenen Wehmutsklänge baden am Ende in knarzigem Drone und Verstärkerrauschen gerade deshalb so wirkungsvoll, weil kein Olivenzweig in Form eines Schlagzeugeinsatzes oder einer Lautstärkesteigerung mehr für einen Ausweg aus diesem Zustand sorgt.
Noch doomiger wird das finale „The Last Rays“, das zwar an- und abschwillt, aber wie das groteske Zerrbild eines fein orchestrierten MONO-Stückes lediglich ein Moloch aus Basswallung und zerfasertem Drone ohne fassbare Gestalt ist. Konventioneller ist da schon das Eröffnungsstück, das aber auch weniger routiniert und mit noisiger, höherer spielerischer Intensität von insbesondere Yasunori Takadas Drums aufgewühlt in seinen infernalen Klimax wuchtet. Eben im Höhepunkt von „The Hand That Holds The Truth” sorgt auch Envy-Heiserkehlchen Tetsuya Fukagawa für frischen Wind, nasser-Pudel-unwohl wie bei seiner eigenen Band shoutet er sich die Pein aus dem Leib.
Es sind aber nicht Novitäten oder die besonders depressive Intention, die „Rays Of Darkness“ so bestechend machend. MONO haben nur endlich noch einmal einen Weg gefunden, ihre Emotionen wirkungsvoll musikalisch zu transportieren, sowohl in den Melodien als auch in deren Instrumentierung und Sound. Kein Wunder: Die Arbeit am Album schlug Taka Goto derart schwer aufs Gemüt, dass er nebenher zunächst für sich selbst rein positive Lichtmusik zu komponieren begann. Diese wandelte sich schließlich als „The Last Dawn“ aber dann doch noch zu einem weiteren MONO-Album, das separat von, aber gleichzeitig mit „Rays Of Darkness“ veröffentlicht wurde.


