RestorationsLP3
| Tweet |
Label:
Side One Dummy
VÖ:
31.10.2014
Referenzen:
Make Do And Mend, The Hold Steady, Tom Petty, Bruce Springsteen, Young The Giant, Constantines
|
|
Autor: |
| Daniel Welsch |
Was Restorations auf ihrem dritten Album veranstalten, hätte auch leicht ins Auge gehen können: bombastische Mitsingrefrains, breitbeinige Gitarrensoli und Songs, die sich im Stadion mindestens so wohl fühlen wie im verschwitzten Kellerclub. Doch der Band aus Philadelphia gelingt der Drahtseilakt, weil ihre Arrangements nie den naheliegenden Weg einschlagen und weil die Songs dank der sympathischen Texte von Jon Loudon über Unsicherheit und Ziellosigkeit nie die Bodenhaftung verlieren.
Trotz der klaren Verwurzelung im Punkrock kann man Restorations musikalisch nie so recht einordnen, weil sie die verschiedenen Spielarten des Rock schamlos plündern und ihren Sound oft aus sehr unterschiedlichen Versatzstücken zusammenbasteln. Dabei schrecken sie selbst vor verpönten Rockklischees nicht zurück und lassen bei „No Castle“ auf den Ausruf „I have lived here long enough to feel the volume turning up!“ tatsächlich ein Eddie-Van-Halen-Solo folgen. Auch das Arrangement der fantastischen Single „Separate Songs“ funktioniert nach diesem Prinzip, wie Sänger und Gitarrist Loudon erklärt: „Da steckt alles drin, was wir mögen: lärmende Rückkopplungen, gigantische Refrains, viel zu viele Gitarrensoli etc.“
Inhaltlich kommt hier immer wieder Angst und Orientierungslosigkeit zum Vorschein, die sich wie ein roter Faden durch die Texte der neun Songs ziehen: „Imagine that focus in real life/ Imagine going outside/ Imagine not waiting for something to come along.“ Oder die eigene Verunsicherung zeigt sich wie in „The Future“ darin, dass man den Gegenüber vor allem für seine zielstrebige Souveränität bewundert: „I always liked you because you talk about the future/ I always liked you/ Never had a future before.“
Im Vergleich zum ebenso nüchtern betitelten Vorgänger „LP2“ klingt das neue Werk kontrollierter und ruhiger, die meisten Songs setzen auf gefällige Arrangements mit Orgel und hymnischen „Oh-oh-oh“-Chören statt auf lärmende Ausbrüche. Ausnahmen bilden hier der druckvolle Eröffnungssong „Wales“, der immer wieder von unnachgiebigen Bassdrum-Schlägen getrieben wird, und „Tiny Prayers“, das mit der Kraft von drei Gitarren über den Hörer hinweg walzt. Zwar hat Loudon mit seiner stets heiser wirkenden Stimme kein Problem, auch gegen solche Gitarrenwände zu bestehen, dennoch gelingen ihm die eindringlichsten Momente, wenn er wie bei „Misprint“ oder der schönen Ballade „All My Home“ mit ihrem unaufdringlichen Bläser-Arrangement mehr Raum für seinen charismatischen Gesang hat.




Bin komplett bei Dir, Daniel. Eines meiner Lieblingsalben des Jahres. Vielleicht die neuen Hold Steady.