Zola JesusTaiga
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Label:
Mute
VÖ:
03.10.2014
Referenzen:
Fever Ray, Soap&Skin, Austra, Dillon, Esben And The Witch, Bat For Lashes
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Autor: |
| Laura Schaefer |
Man kennt die 25-jährige Sängerin, Songschreiberin und Produzentin Nika Roza Danilova aka Zola Jesus für ihren sehr düsteren und zurückgezogenen musikalischen Stil, der immer irgendwo zwischen Pathos und Noise pendelt. Nachdem sie dies auf bisher drei Alben in Eigenregie perfekt inszenierte, öffnet sich Danilova nun auf ihrem neuen Album „Taiga“ soundtechnisch und wendet sich bewusst mehr dem Pop denn dem Goth zu – wobei Letzteres als ihre Signatur aber nicht zu kurz kommt.
Auf ihre eigene Weise versteht es Zola Jesus auf „Taiga“, die Musik zugänglicher zu gestalten und gleichzeitig finstere Momente nicht zu verstecken. Sie hat ein Gespür dafür, einerseits eine geisterhafte Stimmung mit schnellen Sounds und Beats zu mischen und andererseits mithilfe von Bläserfanfaren ihre musikalische Erhabenheit nicht aus den Augen zu verlieren („Taiga“). Genauso schnell, wie man in diese überwältigende Stimmung gekommen ist, wird man im nachfolgenden „Dangerous Days“ in einen anderen, poppigeren Kosmos katapultiert. Der Track kommt einem kleinen Hit nahe, der überraschenderweise sogar heiter wirkt. Doch so plötzlich wie diese Wandlung kam, so schnell wird man dann doch wieder mit dem folgenden, etwas hin und her schaukelnden „Dust“ abgebremst. Leider verpasst dieser einen Höhepunkt und kann sich passend wie Rauchschwaden nur ab und zu lichten, indem Danilovas tiefe und wohlklingend gefärbte Stimme beweist, was sie kann.
Zola Jesus ist eine wandlungsfähige Künstlerin, die sich in diesen neuen Gewässern wohl zu fühlen scheint. „Taiga“ wirkt nicht fremd, dennoch merkt man, dass Danilova auf etwas Anderes als bisher hinaus möchte. Ihre Düsternis legt sie nicht komplett ab, wird aber persönlicher, indem sie beispielweise auf ihre eigene Familiengeschichte mit ihren russischen Vorfahren eingeht – schließlich bezieht sich der Albumtitel auf den borealen Wald. Ein solcher Baumwuchs umgibt die Heimat Danilovas im Norden Wisconsins genauso wie die ihrer Vorfahren. Im Hier und Jetzt musizieren und dennoch verbunden mit der Vergangenheit – dazwischen steht ein Wandel, der sich mit einem neuen Selbstvertrauen in ihrer Musik widerspiegelt. Auf der einen Seite steht die vertraute Stimme, auf der anderen neuartige Kompositionen wie „Hunger“, das trockene Breakbeats an sehr synthetische Sounds reiht, sich aber etwas zu hektisch und drängend in dem Text „I got the hunger/ I got the hunger in my veins/ I will surrender/ ‘till it takes me away“ manifestiert.
Vielleicht muss man sich erst daran gewöhnen, dass Innerlichkeit und avantgardistische Experimente einem orchestralen und gewaltig anmutenden Klangbett gewichen sind. Dennoch lässt Zola Jesus ihre Handschrift erkennen und zeigt, dass sie sich ihrem Anspruch und ihren Ideen immer noch treu geblieben ist, sich nicht um 180 Grad drehen musste, um ein schönes und stringentes Album zu zaubern. Zwischen allen Fanfaren und Pathos bleibt eines zentral: ihre Stimme, die weiterhin ihr Markenzeichen ist.


