The New PornographersBrill Bruisers
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Label:
Matador / Beggars
VÖ:
22.08.2014
Referenzen:
The Shins, The Apples In Stereo, Rilo Kiley, Big Star, Teenage Fanclub, The Posies
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Autor: |
| Kevin Holtmann |
Irgendwie schon komisch, wenn die einstige Hauptband links und rechts von Nebenprojekten und Solo-Unternehmungen überholt wird. The New Pornographers müssen sich mittlerweile jedenfalls hintenanstellen, denn die drei Hauptdarsteller A.C. Newman, Neko Case und Dan Bejar legten zuletzt den Fokus doch sehr auf ihre höchsteigenen Angelegenheiten und hatten damit auch durchschlagenden Erfolg. Insbesondere Fusselbart Dan Bejar polierte seine Herzensangelegenheit Destroyer auf Hochglanz und veröffentlichte mit „Kaputt“ sicherlich eine der spannendsten Platten der vergangenen Jahre, aber auch Neko Case arbeitete mit Nachdruck an ihrem Image als Kritikerliebling. Ob „Brill Bruisers“, das sechste Album von The New Pornographers, da mithalten kann? Schwierig wird’s in jedem Fall.
Okay, wozu Spannung aufbauen, wo keine Spannung ist? Dem kanadischen Indie-Kollektiv gelingt kein zweites „Twin Cinema“, kein spätes Meisterwerk, keine wie auch immer geartete Neuorientierung im eng gesteckten Rahmen des Power-Pop. Vielmehr besinnen sich Frontmann A.C. Newman und Co. auf altbewährte Stärken, die freilich im leichtfüßigen Segment liegen. Würde man das Geschehen wie ein popkultur beflissener Gerd Rubenbauer kommentieren, man könnte einen Satz sagen wie: „The New Pornographers sind immer dann am zwingendsten in ihren Aktionen, wenn Dan Bejar am Ball ist.“ Der Boss von Destroyer ist sozusagen auch in diesem Team der heimliche Spielmacher, bringt er doch die zündendsten Ideen ein. „War On The East Coast“ inszeniert sich so als der eindeutige Hit einer recht unaufgeregten Platte, nervöse Synthie-Blitze zucken vor den Augen, zum Refrain breitet Bejar seine Arme aus und skandiert „I wanted to gome home with you!“ Furios!
Das kurze „Spidyr“ erfreut sich selbst seiner Supertramp-haftigkeit, insbesondere wenn die sehnende Mundharmonika ihren Auftritt hat, denkt man unweigerlich an die Genies hinter dem zweifellos großen Pop-Meilenstein „Breakfast In America“, nur dass die Kanadier natürlich komplett ohne den Kollateral-Kitsch auskommen. Auch die Songs von Neko Case überzeugen, allein aufgrund der schieren Schönheit in ihrer Stimme, die unbestritten zu den bezauberndsten im Indie-Zirkus gehört: „Champions Of Red Wine“ ist das perfekte Beispiel für einen Song, der nicht viel mehr braucht als die herrlichen Vocals, um gefangen zu nehmen.
Weniger aufregend hingegen sind die Standardstücke, die sich vielmehr auf Ergebnisverwaltung verstehen als auf die sonst nur so vor sich hinsprudelnde Spielfreude. Es ist nun nicht so, dass A.C. Newman keine guten Songs komponieren würde, doch sie wirken sehr gleichförmig, formatradiotauglich und in ihrer Struktur gezähmt. Folglich ist „Brill Bruisers“ vor allem eines: eine logistische Meisterleistung. Alleine die Tatsache, all diese Künstlerköpfe unter einen Hut zu bringen, verdient Lob und Anerkennung, kann aber auch nicht über den Fakt hinwegtäuschen, dass der Band ein weiteres Mal lediglich ein „ganz gutes“ Album gelungen ist.


