Musik ins AugeDer Musikvideo-Roundup (Oktober I)
Eine neue Woche, ein neuer Haufen kontrovers aufgemachter Musikvideos für die Aufmerksamkeitsökonomie – um die Macher nicht mit noch größeren Klickzahlen zu belohnen, bleiben hier direkte Links zu den Videos mal weg. Da geben Mastodon nach der negativen Reaktion auf ihr Video einerseits an, dass sie die um ihre breitbeinige Metal-Band-Performance assemblierten Tänzerinnen als stark darstellen wollten, schafften das aber mit gafferhafter Inszenierung noch weniger gut als Limp Bizkit mit dem gleichen Konzept vor 14 Jahren (eine „originelle“ Idee wären ja beispielsweise mal männliche Tänzer gewesen) und führen dann die klassische Billigausrede an, es sei ja sowieso nichts ernst gemeint gewesen.
Eine konfuse Nummer einer ahnungslosen weißen Rockband also, die mit dem seit vielen Jahren in afroamerikanischer Kultur etablierten Twerk nur über Miley Cyrus vertraut ist, aber immer noch weniger missraten als die Videos für Maroon 5 und Bass Drum Of Death, die ihre Protagonisten als Stalker und körperliche Missbraucher von machtlos und sexuell unterwürfig inszenierten Frauen glamorisieren. Dabei kann man mit ein wenig Taktgefühl doch so schön gegen Anstand und guten Geschmack verstoßen, im Falle von Hiro Murai sogar mit zutiefst emotionalem Effekt eine sakrale Kinder-Totenandacht durchwirbeln. Simon Ward baut ein trashiges Dildoland und das Duo Mr. & fantasista utamaro bleibt in japanischer Videospiel-Stilüberladung so gerade weit genug von der Realität entfernt, dass Pharrells Umwerben junger Mädchen absurd statt eklig wird.
Überhaupt Humor: Der gelingt in Musikvideos selten so gut wie im Clip Nick Offermans, der eine bloße Aufreihung mehr oder weniger bekannter und komödiantischer Gesichter nicht wie so manch anderer Clip als sonderlich witzig ansieht, sondern Situationskomik vor allem aus dem Vater-Sohn-Duo herauskitzelt, insbesondere dank Jeff Tweedys Grummel-Look. Außerdem: Endzeit bei Factory Fifteen, bestechende Digitaloptik bei denial.of.service, Jodeb macht Autofenster zum Tor in die weite Welt und Noel Paul filmt versuchten Eskapismus in Beirut.
Flying Lotus – Never Catch Me (feat. Kendrick Lamar)
Regie: Hiro Murai
Tweedy – Low Key
Regie: Nick Offerman
Orchestra Of Spheres – 2,000,000 Years
Regie: Simon Ward
Electric Youth – Runaway
Regie: Noel Paul
mechanimal – SECRET_SCIENCE
Regie: denial.of.service
Tinashe – Pretend
Regie: Jodeb
The Bug – Function / Void
Regie: Factory Fifteen
Pharrell Williams – It Girl
Regie: Mr. & fantasista utamaro

