Electric WizardTime To Die
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Label:
Spinefarm
VÖ:
26.09.2014
Referenzen:
Black Sabbath, Monster Magnet, Possessed, The Stooges, The Black Angels
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Autor: |
| Mark-Oliver Schröder |
Auch wenn wir gerne so tun, als wäre das Gegenteil der Fall, wir gemeinen Musikschreiber sind auch nicht allwissend. Es gibt einfach zu viel gute Musik da draußen, um alles auf den Schirm haben zu können und das Internet hat mitnichten – wie oft prophezeit – zum Verschwinden der Musik oder zum Tod des Musikers beigetragen. Eher das Gegenteil ist zu beobachten und wer das nicht glaubt, braucht nur mal einen Blick auf Bandcamp zu werfen und auf all das, was dort täglich neu veröffentlicht wird. Warum diese Vorrede? Weil es eben auch uns passiert, dass Bands unter dem persönlichen Radar hindurchfliegen.
So hatte ich erst einmal keine Erwartung, als mir „Time To Die“ von Electric Wizard ins E-Mail-Fach flatterte. Von ihrem Label Spinefarm hatte ich schon öfters Promos geschickt bekommen, aber mit eher mainstreamigen Metal-Schmock-Bands wie Godsmack kann ich einfach nicht warm werden. Das Artwork von „Time To Die“ war allerdings zu verlockend in seinem schmierigen 70er-Jahre-Horrorlook mit umgedrehtem Kreuz im Mittelpunkt und dem Bandnamen zur Linken und zur Rechten, sodass er einen verwunschenen Schmetterling formt – alles schön in Schwarz-Grau und ein wenig Rot gehalten. Das reichte, um mein Interesse zu wecken und den vermeintlich dunklen Nektar zumindest einmal anzutasten und „Time To Die“ an die Anlage zu senden.
Und hört, was ich zu berichten habe: Nach der obligatorischen satanistischen Panikmache in einem reißerischen Fernsehbeitrag aus den Mitt-80ern über angeblich rituell motivierte Morde, an dem natürlich auch böse Rockmusik beteiligt gewesen sein sollte, legte die Band los. Und mit dem ersten Ton war der Punkt zur Rückkehr in mein altes Leben überschritten, denn was dort für ein düsteres, schimmerndes, in allen nur erdenklichen Farben funkelndes Untier aus den Boxen kroch, ist bar jeder Beschreibung. Es pflügte die geschundene, vom tiefen Schnarren des Basses klaffende Erde mit schleppenden, willenlos machenden Grooves – und glaubt mir, ich meine Grooves. Dazu entwickelte sich von links und rechts ein Feedback speiender Disput der Sechssaiter, der das Wah-Wah-Pedal verbrannte und inmitten dieses Infernos rezitierte der Hohepriester dunkle Formeln und nihilistische Orakel. Für die maximale Wirkmächtigkeit nimmt sich die Band alle Zeit, die sie braucht und so schleppen sich allein schon die ersten vier majestätischen Songs „Incense For The Damned“, „Time To Die“, „I Am Nothing“ und „Destroy Those Who Love God“ durch verschlungene, das Fleisch von den Knochen nagende und das Gehirn in eine amorphe Masse verwandelnde 35 Minuten. Das ganze Album ist ein 66,6 Minuten krasser Trip auf die dunkle Seite, für dessen metaphysische Grenzerfahrung man nicht einmal zwingend illegale Rauchwaren konsumieren muss.
Nach dieser transzendentalen Erfahrung musste natürlich mehr Information her und hier kommen wir wieder zum Ausgangspunkt: Electric Wizard sind freilich keine Newcomer, die mal eben irgendwo in einer Gruft die geilste oldschool-psychedelische Doomscheibe des Jahres eingespielt haben, sondern alte Recken, aktiv seit 1994. Dies schmälert den Gesamteindruck jedoch in keinster Weise und man könnte bei der Dichte an beeindruckenden Veröffentlichungen von beispielsweise Thou, Pallbearer oder YOB zu der Erkenntnis kommen, 2014 könnte das Jahr des Doom Metal werden. Auch wenn der Durchbruch in größere Hörerschichten wohl noch nicht unmittelbar bevorsteht, aber wir arbeiten dran. Ansonsten ist „Time To Die“ freilich zu gut, um nur in eingeweihten Zirkeln genossen zu werden.


