MerchandiseAfter The End

Nach ihrem diesjährigen Wechsel zu 4AD, gewissermaßen einem Branchenprimus in Sachen Indie-Rock, entschieden sich die Jungs von Merchandise auch für kleine Veränderungen in ihrem Soundkosmos. Der 80er-Einschlag ist noch dominanter, zieht sich wie der Basso Continuo durch die zehn Stücke ihres neuen Albums „After The End“. Böse Federn würden schreiben: Es ist die unspektakulärste Platte, die die Band zum jetzigen Zeitpunkt hätte aufnehmen können.

Das liest sich jetzt aber auch negativer, als es in Wirklichkeit ist. Merchandise aus Tampa, Florida – das muss man ja immer dazuschreiben, man würde sie ja sonst eher im verregneten Nordengland vermuten – setzen nun also vermehrt auf eben soundästhetische Verlockungen, die an Zeiten erinnern, als „E.T. – Der Außerirdische“ oder „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ im Kino liefen, man sehnsüchtig auf die neuen Platten von The Smiths und Echo & The Bunnymen wartete und Deutschlands Nationalmannschaft noch zwei Sterne auf der Brust trug. Neben den allgegenwärtigen flirrenden Gitarren nehmen vor allem die exzessiv eingesetzten Keyboardflächen viel Platz auf „After The End“ ein, was ein herrlich nostalgisches Gefühl vermittelt, das die falschen Leute als Antiquiertheit missverstehen dürften.

Die Platte beginnt mit „Corridor“, einem herrlich verträumten Intro, das in dieser Form auch auf Deerhunters vorletztem Album eine gute Figur als Eröffnungsstück gemacht hätte. Mit dem folgenden „Enemy“ gelingt Frontmann Carson Cox und seinen mittlerweile vier Mitspielern dann ein vollkommen aufgeregtes, aber letztlich doch irgendwie hypnotisch wirkendes Stück 80er-Pop, ohne dabei aber angestaubt oder käsig zu klingen. Mit feinem Gespür für die Möglichkeiten und Grenzen ihrer Kunst durchforsten die US-Amerikaner die Jahrzehnte auf der Suche nach brauchbaren Versatzstücken, die sie in der Folge sinnvoll und kongruent in ihren Songs verweben. Oft wird dabei das Tempo eher rausgenommen, andächtig dürfen die zehn neuen Stücke ins sanfte Delirium abdriften, die Augenlider auf Halbmast, die Gedanken schon längst im Wolkenreich.

Mehr als je zuvor schweben Merchandise also über den Dingen, gönnen sich dabei auch völlig unpeinliche U2-Momente, die beispielsweise das fantastische „Green Lady“ beleben und wirken insgesamt ausgeruht und tiefenentspannt. „Life Outside The Mirror“ schrammt zwar knapp an der Schwelle zur Langeweile, doch dieses Risiko geht das Quintett gerne ein. „After The End“ wirkt letztlich unprätentiös und nicht immer zwingend, kann mit dem vorwärts drängenden „Little Killer“ aber mindestens einen wirklichen Hit verbuchen. Ein Album, so sympathisch und unscheinbar wie der schüchterne, blasse Junge, der im Plattenladen des Vertrauens immer in der 80er-Ecke rumsteht und Blicke nicht erwidern kann.

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