CastanetsDecimation Blues

„Decimation Blues“ ist mittlerweile das sechste Album des locker assemblierten Kollektivs um Raymond Raposa und klingt wie ein Setzkasten. Also so ein lustiges Sammelkabinett, das in den 80er- und 90er-Jahren an vielen Wohn- oder Jugendzimmerwänden hing und in dem wahlweise Miniaturflakons beliebter Parfüms, Überraschungseifiguren oder Kristallstatuetten aus Fauna und Flora ausgestellt wurden. Immer hübsch neben- oder übereinander, zuweilen auch mal zu zweit oder in einem Fach verstaut, konnte man sich an den zumeist leicht angekitschten Stehrümchen erfreuen und für den geneigten Sammler beziehungsweise Aussteller gab es nichts Schöneres, als seine Pretiosen von Zeit zu Zeit behutsam abzustauben und in unregelmäßigen Abständen neu zu arrangieren.

So ähnlich funktioniert auch „Decimation Blues“: Alles hat gewissermaßen seinen Platz und doch herrscht keine klare Ordnung. Da klimpert ein Piano in einen stampfenden Walzertakt, ohne ihm wirklich nahe zu kommen, wie im beschwingten „Black Bird Tune“, doch direkt darauf wird es zu mollenen Tönen im traurigen „Cub“ besinnlich. Jeder Song, jede neue Nuance ist dabei mit viel Sorgfalt ausgewählt und eigentlich auch nur an der verwendeten Stelle sinnvoll. So nimmt „Pour It Tall And Pour It True“ die gemessene Stimmung zwar auf, deutet sie aber um und verleiht ihr einen ätherischen 50er-Jahre-Twang.

Jetzt könnten diese vielen Bausteine neben- und übereinander schnell zur Übersättigung führen, doch Raposa schafft es im Allgemeinen, genügend Abstand zwischen die einzelnen Stimmungen zu bringen. Nicht nur dadurch, dass er die stilistisch weit entfernten „Pour It Tall And Pour It True“ und das berstende „My Girl Comes To The City“ über ein Zwischenspiel voneinander trennt, er schafft gleichermaßen Höhepunkte, also Eye-, nein Earcatcher, die einem sofort entgegen springen und den unruhigen Fluß des Albums fokussieren.

Auf „Decimation Blues“ sind das ganz klar die bereits bekannten Stücke „Out For The West“ mit seinem knorrigen, aber eben auch verhaltenen Popcharakter und einem herrlichen Saxophonsolo und das stimmlich Bon Iver zitierende „Tell Them Memphis“, das mit so ziemlich allen Versatzstücken aufwartet, die ein R’n’B-infizierter Folk-Pop-Versuch mit sich bringen muss, Banjo-Coda inklusive. Jetzt kann man Raposa sicherlich vorwerfen, dass mancher Song auf „Decimation Blues“ noch ein wenig Feinschliff gut getan hätte, manche Idee wird nur angerissen und so wirken gerade die kurzen Stücke unfertig. Vielleicht sind auch einfach ein paar Fächer des musikalischen Setzkastens nicht ganz gefüllt oder bedürfen einer sorgfältigen Politur. Im Ganzen betrachtet kommt das herbstlich schattierte Sammelsurium aber durchaus stimmig zusammen.

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