BusdriverPerfect Hair

„Where exactly is HipHop going?“ Die Frage, die Busdriver in „Bliss Point“ stellt, wird wohl auch dem einen oder anderen Hörer während „Perfect Hair“ durch den Kopf geistern. Bei Puristen und Old-School-Fetischisten wird sie allerdings eher lauten: „Was zur Hölle hat dieser schiefe Singsang über vertrackte Stolperbeats überhaupt mit HipHop zu tun?“ Zum Glück liefert der Indie-Rapper aus Los Angeles keinerlei Antworten und schert sich auch ansonsten kein bisschen um solche Themen.

Dass Busdriver seine eigene Frage nicht ernst meint, erkennt man spätestens, wenn er sich wenig später wundert, ob HipHop überhaupt die Figur habe, um solch ein Outfit zu tragen. Dieser schräge Humor bildet beinahe die einzige Konstante der 47 turbulenten Minuten von „Perfect Hair“, immer wieder nutzt der MC aus Kalifornien ihn, um sich über gewisse Rap-Stereotype lustig zu machen. So erklärt er beispielsweise in „Colonize The Moon“, dass sein Kumpel nicht einer Gewalttat zum Opfer fiel, sondern sich lediglich totgelacht habe, und dass er selbst mit seiner Musik weniger als ein NFL-Star verdiene, weshalb man keinen Song über „world leaders and street fashion“ von ihm erwarten könne.

Stattdessen bietet „Perfect Hair“ vor allem schräge Beats, die sich zwischen Kindergeburtstag und elektronischer Avantgarde zum Glück nicht entscheiden können, und Busdrivers gewöhnungsbedürftige Mischung aus seltsamem Singsang und gepresst wirkendem Sprechgesang, die häufig nahtlos ineinander übergehen. Mit Ausnahme des Songs „king cookie faced (for her)“, der kurz vor Schluss einen melancholischen Ruhepunkt bildet, sind vor allem die von Driver selbst produzierten Instrumentals rhythmisch komplex und drohen immer wieder aus dem Tritt zu kommen. Spannend wird es vor allem dann, wenn sich Busdrivers Flow an diese Beats anpasst – so laden Kick und Snare während „Bliss Point“ kurz zum Hochgeschwindigkeits-Walzer, über den der MC seine Zeilen wie Salven abfeuert.

„Ego Death“ sticht nicht nur wegen seines minimalistischen und düsteren Beats von Jeremiah Jae aus den übrigen neun Songs hervor, sondern auch weil hier mit Aesop Rock, dem „Rap Marilyn Manson“ Danny Brown und eben Busdriver drei ungewöhnliche MCs aufeinandertreffen, die alle auf ihre Art als Ausnahmeerscheinungen im HipHop gelten können. Die Frage nach der perfekten Frisur, die der Albumtitel provoziert, wird hier übrigens immerhin insofern beantwortet, dass keiner der drei MCs darüber verfüge. Dabei hätte doch gerade Danny Browns seltsam asymmetrischer Schnitt perfekt zu diesem schrägen Werk gepasst.

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