Xenia KriisinHymn

Immer wieder diese Geheimtipps. Xenia Kriisin kommt aus Schweden, füllt laut des nicht gerade geringen Raschelns im skandinavischen Blätterwald dort bereits große Hallen und soll in ihrer Livedarbietung ein echtes Erlebnis sein. Ob sich diese Vorschusslorbeeren auf dem nun auch hierzulande veröffentlichten „Hymn“ bestätigen?

Fangen wir mal ganz von vorne an. „Hymn“, also Hymne oder Hymnus heißt das Album und bezeichnet im Allgemeinen einen in Strophe und Rhythmik frei vorgetragenen, begeisternden Lobgesang, der in der Regel zu Ehren allgemeiner Wohltaten oder der damit verbundenen Personen gedacht ist. Jetzt gibt es auf „Hymn“ durchaus wiederkehrende Passagen und auch der Ton ist eher erhaben denn begeisternd, dennoch scheint Kriisin die Definition ziemlich verinnerlicht zu haben.

Eine Hymne ist sowohl weltlicher als auch sakraler Natur und allein von den Songtiteln ausgehend gelingt Kriisin auch dieser Spagat. Da folgt auf einen „Psalm“, der sich allerdings deutlich von seiner eigentlichen liturgischen Funktion abhebt, das eher weltgewandte „Firearms“ und mündet in das sehr gegenständliche „One Shot In His Back“. Krisiin arbeitet hier also eher mit den Ausdrucksformen an sich, behält aber den erweiterten Spielraum durchaus ein.

Wenn man sich nun noch das volkstümliche Verständnis einer Hymne vor Augen führt, fällt allerdings auf, dass sich Kriisin einer eher archaischen Herangehensweise bedient. So setzt sie auf polyphone Mehrstimmigkeit, um die zumeist sehr persönlichen Texte zu interpretieren und lässt sich hier von einem sehr klangvollen Frauenchor unterstützen. Sie selbst erklärt ihre Stimme zum ausdrucksstarken Instrument und windet sie kunstfertig um die warmen, eindringlichen Arrangements. So wird mit wenig instrumentalem Aufwand aus dem ohnehin schon berührenden „One Shot In His Back“ eine wahre Gefühlsexplosion, in der sich Chor und Künstlerin zu Bass und Schlagwerk in einen Rauschzustand steigern.

Trotzdem dass sich Kriisin die Freiheit nimmt, ihre Songs ohne feste Grenzen zu arrangieren, wirkt „Hymn“ zuweilen ein Stück verkopft. Ein wenig zu oft weichen die durch Zither und Drums eingeleiteten Stücke die aufkommende Stimmung durch ähnliche chorale Variationen auf, ebenso oft steuern Stücke wie „The End“, das die Schöpfungsgeschichte und eigentlich sogar das ganze alte Testament paraphrasiert, nach verhaltenem Beginn einem fulminanten Höhepunkt entgegen. Das entspricht zwar durchaus wieder dem Hymnencharakter, wird auf Albumlänge aber zuweilen anstrengend. Erfreulich erfrischend wiederum ist das perkussive und sehr frei an Kriisins Jazzvergangenheit erinnernde „When The Sea“, das das Tempo auf einmal deutlich anzieht und einen klareren Kontrapunkt zu den ansonsten eher langsamen Kompositionen bereithält.

Tonaler wie kompositorischer Höhepunkt auf „Hymn“ sind aber die beiden „Psalmen“, die trotz ihrer musikalischen Tiefe unglaubliches Melodiegefühl beweisen und vor allem bei „Psalm“ an die Popaffinität einer Frida Hyvönen erinnern. Dazu kommt sicherlich auch noch der Abschluss „Hymn/Playing God“, der nach einiger Zeit in einen Johann Sebastian Bach zitierenden, von Henrik Magnusson meisterhaft arrangierten Choral mündet.

Dass Xenia Kriisin ihre Wurzeln im Jazz und in der Improvisation hat, hört man „Hymn“ nicht immer an. Die Göteborgerin labt sich vor allem an dichten, häufig pastoralen Arrangements, die nur selten ihre eher schwermütige, erhabene Atmosphäre verlassen. So etwas kann schon mal in Gleichförmigkeit enden, doch Kriisin, die auch in ihren Videos mit spartanischer Mystik überzeugt, kann die Spannung fast in allen Fällen halten.

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