LiteratureChorus

„Whoo!“ Alles, was in den folgenden 28 Minuten von „Chorus“ passiert, steckt bereits komprimiert in diesem Ausruf von Sänger Kevin Attics zu Beginn des Songs „The Girl, The Gold Watch And Everything“. Literature jagen auf ihrem zweiten Album in beinahe rauschhaftem Tempo, aber dennoch leichtfüßig tänzelnd und Haken schlagend durch elf euphorische Indiepop-Perlen.

Der erwähnte Opener „The Girl, The Gold Watch And Everything“ benötigt nur eine knappe halbe Minute, bis sich der erste hymnische Refrain in die Höhe schraubt, „The English Softhearts“ schafft dies sogar in rekordverdächtigen zehn Sekunden – und hat zuvor noch Zeit für eine kurze Strophe im Call-and-Response-Stil. Zwar helfen solche Rechenspiele dabei, den ungemeinen Drive der Band aus Philadelphia zu verdeutlichen, den faszinierenden Sog, den das Quartett dabei entwickelt, können solch schnöde Zahlen dagegen nicht abbilden.

Auch die Annäherung an „Chorus“ über die recht offensichtlichen Referenzen wie Johnny Marrs Gitarrenspiel für The Smiths, den Indiepop der C86-Ära oder auch den Pop der 60er-Jahre (beispielsweise wurde Attics‘ Gesang durch den Leslie-Lautsprecher einer Hammond-Orgel gejagt) vermittelt zwar einen guten Eindruck vom Klang der Platte, kann aber auch die Freude über das zweite Album von Literature trüben. Denn statt sich über den rückwärtsgewandten und nostalgischen Stil des Quartetts den Kopf zu zerbrechen, sollte man diesen lieber mal für eine halbe Stunde abschalten und sich von Songs wie „Tie-Dye (Your Life)“ oder „Court/Date“ mitreißen lassen.

Lediglich für die leicht psychedelische Ballade „Chime Hours“, die mit Akustikgitarre und Shaker-Begleitung ungewöhnlich zurückhaltend beginnt, drosseln Literature kurz das Tempo, doch schon der folgende Titelsong stürmt wieder in gewohnter Manier voran. Mit „Chorus“ ist der Band ein Album gelungen, das simpel und eingängig ist und dessen zuckrige Melodien sich sofort in den Hirnwindungen festsetzen. Trotzdem nutzt es sich auch nach zahllosen Durchgängen nicht ab, sondern birgt im Gegenteil extreme Suchtgefahr. Oder prägnanter ausgedrückt: „Whoo!“

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