„1 2 3 4/ What’s underneath the floor?“ Der düstere Abzählreim zu Beginn des zweiten Albums von Mirel Wagner verheißt nichts Gutes. „When The Cellar Children See The Light Of Day“ heißt es und ist nach ihrem selbstbetitelten Debüt ein weiterer Meilenstein. Die ohnehin lichtscheue Instrumentation weicht einem flackernden Zwielicht, lediglich durch die daumenbreiten Bretterspalten flimmt ein wenig Helligkeit in die zehn Songs.

Hört man „When The Cellar Children See The Light Of Day“ das erste Mal, lässt einen die karge Produktion glatt ein wenig zurückschrecken, doch sobald die Stimme der Sängerin aus Finnland mit äthiopischen Wurzeln ans Ohr dringt, fühlt man eine undefinierbare, sich stetig steigernde Wärme. Es geht ganz schön verstiegen zu auf Wagners Zweitling, der meistens nicht mehr braucht als eine Gitarre, die sich als rhythmischer Gegenpart zur herbsüßen Stimmfarbe herauskristalliert. Besonders eindringlich geschieht das im gespenstischen „Oak Tree“, das sich durch einen sirenenhaften Echochor unterstützen lässt.

Ein wenig spielt Mirel Wagner auf ihrem Album mit der Angst vor der Dunkelheit. So beginnt „Dreamt Of A Wave“ mit einem zartbitteren Gitarrenmotiv, das seine Inspiration sicher auch aus dem Entstehungsprozess bezieht und klar darauf hindeutet, das „When The Cellar Children See The Light Of Day“ in einer komplett isolierten Blockhütte irgendwo im finnischen Niemandsland geschreiben wurde. In seiner Eindringlichkeit klingt es aber auch wie ein vergessenes Nick-Drake-Kleinod, feingliedrig in der Ausführung und beinahe aufreizend schlicht in der Komposition.

Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass die Texte diese bittere Süße der Musik deutlich nachzeichnen. So singt Wagner zwangsläufig von verlorener Liebe wie im energischen „Taller Than Tall Trees“ oder träumt sich in verletzliche Erinnerungen zurück, die das Herz schwer werden und zuweilen auch die Haare zu Berge stehen lassen. So wiegt einen das abschließende „Goodnight Goodnight“ zunächst beruhigt in den Schlaf, doch lauscht man den Zeilen „Goodnight, darling, goodnight. I’ll push down the pillow with all my might“, könnte man im gleichen Atemzug schweißgebadet aufwachen. Sie schließt zwar versöhnlich „Tomorrow, tomorrow, will be alright. Together, forever, now and through time“, lässt aber doch die eine oder andere Frage im Raum stehen, welche Art der Erlösung sie denn nun erreichen wollte.

Mirel Wagner lässt in der Tat nur wenig Lichtschein zu, variiert aber das Dunkel immer mal ein wenig, so dass eine flimmernde und flackernde Gruselmär entsteht. Dass dabei nicht immer vollends das Mark des Lebens ausgesaugt wird, liegt auf der Hand, für einen wohligen Schauer reicht es aber allemal.

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