Jaakko Eino Kalevi ist ein Hybrid: Halbtags Tram-Fahrer in Helsinki, sonst Produzent, Künstler, Komponist und Musiker – was für eine Kombination. Da scheint es nur ersichtlich, dass er für jede Lebenslage eine gute Balance finden muss. Der Finne mit der wallenden Mähne thematisiert eben dieses Gleichgewicht auf seiner neuesten EP: den schmalen Akt zwischen Konfrontation und Ruhe. „Yin Yang Theatre“ soll dies als Metapher für das Leben verkörpern.

Die sechs Tracks der EP beinhalten alle Zutaten eines modernen Bohemiens. Eine gute Mischung aus Avantgarde, Disco, Soul und House der alten Schule lässt sich auf „Yin Yang Theatre“ entdecken. Immer etwas verspielt, verquer und durchgeknallt, aber genau das ist Markenzeichen von Kalevi. Dabei ist seine elektronische Musik vielleicht nicht auf den ersten Blick tanzbar, aber in seiner verrückten Mischung, bleibt der finnische Produzent seinem Beat und Funk treu.

Kalevi bezeichnet seine Musik als „world music“ – ich nenne es lieber ein Potpourri aus verschiedensten Klangvielfalten. Das eröffnende „Speak Out“ lädt zum gemütlichen Schunkeln und auch etwas zum Träumen ein. In satten sechs Minuten treibt uns ein durchgehender Beat an, aber weglaufen möchte man vor ihm auch nicht – eher ein Beat der ruhigeren Sorte. Ein bisschen Drums, verzerrte Synthie- und Orgelsounds und Handclaps, obenauf ein sphärisch umhüllter Gesang, viel mehr braucht der Song nicht. Und das Beste: Es wird tatsächlich nicht langweilig.

„Pass The Cat“ ist da schon etwas hektischer: Schneller, etwas wirr und mit sich überlappenden Stimmen ist es eine sehr Metronomy-hafte Nummer. Auch wenn man eine solche nicht auf einer Kalevi-EP erwarten würde, funktioniert sie ohne Wenn und Aber. In „Sensaatio“ geht es etwas gemächlicher zu, wenn auch etwas zu gut gemeint. Man wird zurückgeworfen und die sehr hoch gepitchten Sounds machen es auch nicht besser. Grooviger wird es erst, wenn Kalevis Gesang einsetzt und eine wirklich ohrwurmtaugliche Melodie hervorbringt. Der Track wirkt dadurch harmonischer, auch wenn man bei Kalevi eigentlich immer Soundgefrickel erwarten kann. Der Gesang tut der Kunst hier aber keinen Abbruch.

„Tecno Souvlaki“ ist genauso konfus wie der Name: Instrumental elektronische Sounds, mit wabernden flötenartigen sowie bläserartigen Einwürfen macht der Track seinem Namen alle Ehre – was auch immer dieser bedeuten soll. Auch hier steht die prägnante Melodie – in diesem Fall eine instrumentale – nicht für sich alleine, sondern ist im gesamten Arrangement harmonisch integriert. Ich mag es fast nicht sagen, aber diese harmonischen Momente sind mit das herausstechend Beste an Yin Yang Theatre.

Vereinzelt erscheinen diese lichten, aber schönen Momente auf der EP, leider aber viel zu selten. Natürlich ist Kalevi ein Meister seines Faches, interessante Tracks zu komponieren und produzieren, es fehlt aber der besondere Pfiff. Die meisten Tracks ziehen sich einfach über zu viele Minuten, um sich mit den verqueren Soundbasteleien gutzustellen – manchmal ist tatsächlich weniger etwas mehr, was der Gute uns schon des Öfteren perfekt hat zeigen können!

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