Das selbstbetitelte Debüt der Allstar-Gruppe um Thursdays Geoff Rickly war vor sechs Jahren ein kleiner Coup. Zusammen mit eher im Verborgenen agierenden Mitgliedern anderer Genregrößen wie Glassjaw, Converge oder Pianos Become The Teeth puzzelte er die im Mikrokosmos immer noch erheblich unterschiedlichen Einflüsse dieser Bands geschickt zusammen. Er machte aus United Nations einen Monolith, der alle zuvor in ihn gesetzten Erwartungen erfüllen konnte und dabei ganz im Gegensatz zu den Vereinten Nationen aus New York steht, die über den Status des Papiertigers schon länger nicht mehr hinausgekommen sind.

Obwohl Rickly gerne über Punk redet, hatte auch schon das Debüt wenig damit gemein. Die Ideen waren zu ausgefeilt, die Songs zu vielschichtig. Und „Serious Business“ macht wirklich verdammt ernst weiter, der Eröffnungssong prescht grimmig und tiefdunkel voran. Fast scheint es so, als habe auch diese Gruppe den im Moment so angesagten Blackgaze für sich entdeckt, erst spät gesellen sich typischere Elemente dazu, die United Nations seit jeher stark gemacht haben. „The Next Four Years“ besticht durch kreischende Gitarren, strauchelnden Gesang und unablässig bohrende Drums, eilt hastig von einem Höhepunkt zum nächsten und bestätigt den Status der etwas anderen, mythischen Band. Ein ums andere Mal beschwören United Nations einen gewaltigen Malstrom, der den ganzen Ballast erst gar nicht zu kanalisieren versucht, sondern in chaotischen Formen mit sich zieht. Durch diese Reibung entsteht über das Album hinweg trotz aller Aggressivität und Unordnung eine unheimlich anmutende Vertrautheit, die in erster Linie durch die vibrierende Dichte zu erklären ist, die vielen Songs eine ähnliche Richtung, jedoch nie das gleiche Ergebnis verleiht.

Etwas abseits steht dabei „F#A#$“, dessen melodiöse und reduzierte Struktur im Mittelteil zwischen den Konfusionen drumherum in sich verharrt, so als wolle es den Blick kurz vor Schluss noch mehr als zuvor auf die Inhalte lenken. Denn United Nations präsentieren sich natürlich nach wie vor als höchst politisch. Auf die Idee, einen Song symbolträchtig „F#A#$“ zu nennen, quasi als Verneigung vor „F#A#∞“ von den sowieso schon kapitalismuskritischen Godspeed You! Black Emperor, muss man erst einmal kommen. Auch wenn Ricklys Eingebungen wie im vielsagenden Doppel „Fuck The Future“ / „Stole The Past“ bisweilen polemisch und überzeichnet daherkommen – sowieso sind United Nations einst ja mit dem Anspruch gestartet, vieles mit einem Augenzwinkern zu transportieren – sind sie im Kern stets aufrichtig und nachvollziehbar.

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