Website-Icon Leben mit Musik | AUFTOUREN.DE

Jungle – Jungle

Cleveres Management: ein paar tanzwütige Videos, die schon weit vor Debüt-Veröffentlichung für Präsenz sorgten und weiße Handschuhe im Paket der Promo-CD lieferten schon genug Material für einige Blog-Hypes und ein wenig Geheimniskrämerei um die eigene Identität. Fehlte nur noch, dass irgendjemand Gerüchte um eine mögliche Verbindung zu Daft Punk in Umlauf gebracht hätte. Das wäre gar nicht so undenkbar gewesen, denn das Debüt des Londoner Duos Jungle säumt sich in leicht elektronischem Soul-Pop mit ordentlichem Funkanstrich. Wobei das Gesamtprodukt deutlich dezenter ausgefallen ist.

Ganz generell sind die Tracks von J und T (lüften wir ein kleines Geheimnis: gemeint sind Joshua Lloyd-Watson und Tom McFarland) viel unprätentiöser. Die Tracks sind von einer zeitlosen Eleganz getragen. Tatsächlich wirken Jungle nicht geschichtsvergessen, was die Soul-Referenzen angeht, andererseits verliert sich das Album nicht ein Mal in Nostalgie. Es schwankt – nicht unentschieden, sondern gezielt offen – zwischen groovigen Funkanleihen und elektronischen Variationen, die aber nie so düster auratisch nach der zeitgenössischen Electro-Soul-Liga (SOHN und Konsorten) klingt, allerdings eben auch nicht so melancholisch wie die London-Exporte dieser Saison (Damon Albarn, Douglas Dare etc.).

Doch von wegen Management, DIY-Flair ist auf dieser (zum Teil im Heimstudio aufgenommenen) Platte vorhanden, man merkt es ihr nur selten an. Dass das multiinstrumental begabte Duo (im Booklet heißt es: „Written, Performed and Produced by Jungle“) im Detail durchaus extrem aufeinander eingespielt ist, spürt man vor allem im Detail. Ein urbanes Gestrüpp voll von Funkgitarren, säumenden Bässen und Perkussion, getunt in leichtem 80er-Modus, der aber nicht so zuckrig zur Schau getragen wird wie etwa bei Blood Orange zuletzt. Die Arrangements wirken nie überladen, der Minimalismus-Geist von The xx, die ebenfalls im Studio des Labels XL ihr Debüt einspielten, muss aber zu den Aufnahmesessions von Jungle verflogen sein: Dafür sind Nummern wie „Easy Earnin´“ mit ihren Bläsereinsätzen zu druckvoll, auch wenn es durchaus nahezu reduktionistische Ansätze gibt.

Zum Beispiel die Schlusslichter des Albums. „Lucky I Got What I Want“ hüllt sich in nebulöse Synthies und „Lemonade Lake“ gibt sich unterkühlt, ist dann aber doch der heimlich melodramatische Klagesong: „I miss you, every day and every night“ singt eine Stimme, deren Besitzer namentlich immer noch nicht bekannt ist. Sie klingt jedenfalls weich, unaufdringlich und rudert immer dann kontrolliert-gefühlvoll zurück, wo andere zuviel wollen und so unhörbar werden. Perlen wie „Time“ zeugen nicht nur davon, wie groovy dieses Gespann ist, sondern auch von einem Witterungstalent für perfekt sublimen Spannungsaufbau. Den Höhepunkt erreichen Jungle immer dann, wenn sich in den repetitiven Elementen ganz unbemerkt etwas Neues eingeschlichen hat. Wahrhaft ein Sound-Dickicht.

Hier verdichten sich Funk und Soul zu einem Geflecht, für das man in manchen Fällen fast schon neue Bezeichnungen suchen kann. Dreamsoul wäre da das leicht tropische „Crumbler“. Diversität gelingt: Synthie-Jams und Western-Pfeifen fusionieren in dem Zwischenspiel „Smoking Pixels“ als Melting-Pot-Musik. Jungle dienen somit als Beleg für intelligente Popmusik, die es schafft, ohne Eintönigkeit markant zu klingen, überschaubar zu wirken, im Detail aber als virtuos geplant zu erscheinen.

Die mobile Version verlassen