Blood OrangeCupid Deluxe

Da legt uns Devonté Hynes kurz vor Ende des Jahres noch ein Album vor, welches zwischen Intimität, Sehnsucht und Retrohaftigkeit eine Atmosphäre entwickelt, die beklemmt und erleichtert zugleich. Weniger Punk, mehr Funk und viel Leidenschaft.

„Cupid Deluxe“ lässt sich am ehesten verstehen, wenn man sich einmal näher mit Hynes beschäftigt. Mit seinen 28 Jahren kann der Brite bereits auf einige musikalische Erfahrungen zurückblicken. Angefangen mit Post-Garage-Punk in der Band Test Icicles über das folkbeeinflusste, von Kammermusik umrahmte Singer-Songwriter-Projekt Lightspeed Champion bis hin zu Beteiligungen an Pop-Produktionen, die direkt auf die Charts abzielen. So unterstützte er zum Beispiel Sky Ferreira, Solange Knowles (Beyoncé’s Schwester), die Sugababes und sogar Britney Spears. Abgesehen von Letztgenannter war die Zusammenarbeit durchaus erfolgversprechend. Doch was genau hat es mit diesen Spuren auf sich, welche Hynes ausgelegt hat? Einerseits die eigensinnigen Projekte, andererseits das Mitmischen in der weiblichen Pop-Welt. Eine Art Kompromiss scheint das Projekt Blood Orange zu sein.

Das erscheint mit „Cupid Deluxe“ noch viel klarer als durch das Debüt „Coastal Grooves“. Denn wo dieses noch auf Indie-Pop setzte und mit einer Post-Punk-Attitüde spielte, ist „Cupid Deluxe“ vielmehr ein R’n’B-Werk, welches mit den Genres flirtet. Es besitzt den weichen Charme der 80er, umgeht die rauen Töne, sodass die Gitarre meist den Beats schmeichelt und nur selten eigene Wege geht. Der Beat deutet auf eine Zeit, zu der Frau und Mann ineinander verschlungen tanzen, die Lichtanlage langsam zwischen den Farben rot, blau, grün und gelb wechselt und die schwüle, verbrauchte Luft jedes Atmen hörbar macht. So ist Hynes’ Gesang anfangs lediglich gehaucht („Chamakay“, „You’re Not Good Enough“), später halb gesprochen („Uncle Ace“). Prince ist als Referenz bis dahin schon längst ausgemacht, es wird auch nichts versucht, um diesen Eindruck zu vermeiden. Nicht nur die Geschmeidigkeit und Variation von Heynes’ Stimme erinnern an „The Purple One“, die gesamte Komposition ist eine Verneigung vor Prince.

Die Songs sind bemerkenswerterweise wie Gespräche, wie Dialoge inszeniert. Heynes ist immer in aktiver Auseinandersetzung mit Instrumenten oder Gastsängern, wie David Longstreth von Dirty Projectors oder Samantha Urbani von Friends. Longstreth erinnert dabei etwas an Curtis Mayfield, auch Urbani lässt sich auf die Atmosphäre ein und klingt wie einer wattigen 80er-Popproduktion entstiegen. Besonders spannend ist die Kombination zwischen Heynes und den Rappen Skepta und Despot in „Clipped On“: Wo man sich anderswo eher danach fühlte, das Album allein irgendwann zwischen nächtlichem Snack und Bett zu hören, könnte man diesen Moment etwas belebter verbringen. Im nächsten Song wird die Stimmung dann aber doch wieder so intim, dass die Ruhe etwas Erleichterndes mit sich bringt.

„Cupid Deluxe“ muss sich erst entfalten und mag eine kleine Eingewöhnungsphase erfordern, sofern man nicht eh schon Prince-Fan ist, es begibt sich in einen Raum zwischen Sehnsucht und Leidenschaft, zwischen Anschmiegen und Aufbegehren. Es ein modernes Album in einer Zeit, in der Männlichkeit und Gefühl keinen Widerspruch mehr darstellen und Liebe und Musik immer noch die besten Partner sind. Und immer sein werden.

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