Strand Of OaksHEAL
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Label:
Dead Oceans
VÖ:
20.06.2014
Referenzen:
The War On Drugs, Damien Jurado, Dinosaur Jr., Phosphorescent, Silver Jews, Centro-matic, Jason Molina
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Eigentlich wollte ich „HEAL“ nicht gut finden. Warum? Schließlich hatte sich Timothy Showalter bereits 2012 auf dem Vorgänger „Dark Shores“ von den kargen Folktönen verabschiedet, die auf den ersten Alben, vor allem dem herausragenden „Pope Killdragon“ mit dem manischen „Sterling“ vollends verzaubert hatten. Jetzt also die Hinwendung zum Rock, der sich auf „Dark Shores“ halbgar äußerte und auf Strand Of Oaks‘ viertem Album nun in aller Deutlichkeit und Varianz zelebriert wird.
Es scheint müßig zu sein, die Ursachen für „HEAL“ aufzuzählen, doch ist die Geschichte Timothy Showalters so wichtig für das Werk, dessen Stärke ganz klar aus der intensiven Beschäftigung des Sängers mit sich selbst nach einem fast folgenschweren Unfall war. Jetzt birgt solch ein lebensentscheidender Vorfall zumeist die Gefahr, noch viel stärker in intime Gefilde zu sich selbst aufzubrechen, doch Showalter geht den anderen Weg. Auf „HEAL“ versammelt er eine lebensbejahende Stimmung allererster Güte und lässt sich nur selten auf die vormals eingeschlagenen Wege ein. Bereits im von J Mascis mit erfrischendem Gitarrenspiel unterstützten „Goshen ’97“ nimmt er so viel Fahrt wie möglich auf und berauscht mit der Lust an der Musik.
„HEAL“ ist selbstbewußt, stellt kaum Fragen und strotzt vor Vitalität. Ob im ruhigen, psychedelischen „Wake Up To The Light“, dass sich mit seinen elektronischen Klangflächen noch am ehesten in den vorherigen Kanon einordnen lässt und von fern an das letzte Album von The War On Drugs erinnert, oder im lauten, voranpreschenden und einnehmenden Titelstück: Showalter lotet Grenzen aus, die eigentlich gar nicht da sind. Und dann kommt „JM“, vordergründig traurig, eine ernste, aber in ihrer Gewalt unglaublich zärtlich vorgetragene Hommage an den viel zu früh verstorbenen Jason Molina, der an „HEAL“ seine wahre Freude gehabt hätte. Hier erwächst dieser eine magische Moment, der dann schlussendlich dazu führt, dass sich das Album von erster vorsichtiger Habachterwartung zu einem Lieblingsalbum entwickeln kann.
So bleibt es aber dann auch, denn „HEAL“ leistet sich keine echten Schwächen. Das federleichte „Same Emotions“ klingt berauschend antiquiert, „Mirage Year“ leistet sich einen berstenden Mittelteil und das abschließende „Wait For Love“ begeistert mit seinem Beinahe-Stadionrock-Versuch. Es ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen, dass es auch ein wenig am Produzenten liegt, dass „HEAL“ nicht zu einem ungestümen Mixtape geworden ist, denn der umtriebige John Congleton inszenierte „HEAL“ mit eher leichter Hand und lässt den Songs genügend Raum zu Entfaltung.
Inzwischen denke ich deutlich anders über „HEAL“ als noch bei meinen ersten Hördurchgängen. Sicher, ein zweites „Sterling“ vermisse ich nach wie vor, doch freue ich mich ebenso über die überschwänglichen Powermomente bei „For Me“ oder die Jugenderinnerungen in „Goshen ’97“. So hat Timothy Showalter nicht nur seine Heilung vorangetrieben, er lässt uns auch wissentlich daran teilhaben und macht „HEAL“ so zu einem ungewohnt kraftvollen, aber umso mehr freudestrahlenden Album für jede Gelegenheit.


