BORISNoise

Vor drei Jahren schienen Boris am Ende ihres Weges angelangt zu sein. Mit „Attention Please“ und „New Album“ nahmen sie sich das letzte unbeackerte Feld vor, das dabei die ganze Zeit vor ihrer Haustür lag: J-Pop, natürlich hier und da immer noch mit dem typischen Merkmalen der Band vermengt. Dieses Doppel wurde so kontrovers aufgenommen, dass das zeitgleich herausgebrachte und ungleich härtere „Heavy Rocks“ zu dieser Zeit nur noch marginal wahrgenommen wurde. Auch das im letzten Jahr auf Vinyl veröffentlichte „Präparat“, das wieder weitaus traditioneller daherkam, konnte das Bild einer Band, die alles ausprobiert hatte, aber irgendwie nicht mehr so richtig bei der Sache war, nicht entscheidend korrigieren.

Diese Unentschlossenheit kann auch zu Beginn auf „Noise“ – dem ersten Album seit „Smile“ von 2008, das den Bandnamen wieder in Großbuchstaben setzt – nicht ganz ausgeblendet werden. Gerade der Einstieg mit den ersten beiden Songs gestaltet sich schon wieder übermelodiös und wirkt etwas wackelig auf den Beinen. Danach steigert sich das Album dank eines starken Korsetts aus sphärischem Post-Rock und fokussiertem Sludge Metal glücklicherweise aber zusehends und mündet in einige der stärksten Stücke, die die Band seit etlichen Jahren gemacht hat. Die Ausnahme hier bildet das uninspirierte „Taiyo No Baka“, das tatsächlich wie aus den Sessions der 2011er-Alben klingt und die treibende Wucht auf „Noise“ unangenehm deutlich ausbremst. Stattdessen hätte man sich hier eher einen der großartigen Bonustracks gewünscht, die der japanischen Version vorbehalten sind.

Doch sowohl im Kern als auch in der Breite ist „Noise“ nach ein paar Tälern ein klarer Schritt nach vorne. Besonders die beiden längsten Songs lassen Erinnerungen an Zeiten aufleben, mit denen die Band vor Kurzem schon abgeschlossen zu haben schien. So nimmt sich die Band in „Angel“ endlich wieder die Zeit, über fast zehn Minuten eine erdrückende Intensität zu erschaffen und danach den Song mit viel Spektakel inklusive furiosen Ausbrüchen und mächtigen Feedbackeinlagen fortzuführen und zu veredeln. „Quicksilver“ dagegen ist so etwas wie das komplette Gegenteil und die perfekte Ergänzung hierzu. Es fällt sofort angriffslustig schreiend mit der Tür ins Haus und verliert trotz seiner Länge nie an Griffigkeit oder Aggressivität. Besonders bei diesen direkt aufeinander folgenden Songs wird deutlich, dass das Trio die Fähigkeit, verschiedene Stile zu einem Ganzen zusammenzufügen, doch nicht verloren haben. Und so fügt sich auch der bedächtig davonschleichende Abschluss „Siesta“ perfekt in diesen letzten und vor allem bleibenden Eindruck ein.

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum