Jack WhiteLazaretto
| Tweet |
Label:
XL / Beggars
VÖ:
06.06.2014
Referenzen:
The White Stripes, The Raconteurs, The Black Keys, Hanni El Khatib, Led Zeppelin, Blind Willie McTell
|
|
Autor: |
| Carl Ackfeld |
Jack White ist nach wie vor ein Suchender. Dass man dazu wieder mal wieder das Ende der White Stripes, seine akribische Aufarbeitung uramerikanischen Liedguts und seine Detailversessenheit ins Feld führen könnte, liegt auf der Hand. Auf „Lazaretto“ formuliert er dieses Streben nach Richtung weiter aus, fügt dabei aber eher bereits beschrittene Wege zu einer losen Blattsammlung zusammen. Das führt durchaus zu Vielfalt, bleibt aber im Rahmen dessen, was White von jeher liebt.
So strotzt „Lazaretto“ beim ersten Hören vor allem vor Kraft und Energie. An allen Ecken und Enden werden Gitarrenriffs in Songkorsagen gepresst und auf Gedeih und Verderb einer gewissen Melodieführung unterworfen. Das klappt allerdings in vielen Fällen ganz ausgezeichnet und manchmal gar so gut, dass ein Stück wie „High Ball Stepper“ völlig ohne den charakteristischen Keifgesang Whites auskommen kann. Da gerade dieser in den druckvolleren Momenten zum Umkippen neigt, ist das beileibe kein Fehler, sorgen zudem der eine oder andere Country-Mitsingrefrain für genügend angenehme Abwechslung – „Just One Drink“ zum Beispiel, oder auch das herausragende „Would You Fight For My Love?“, dessen Melodie von Ferne an die Titelmusik aus „Herr Rossi sucht das Glück“ erinnert.
„Lazaretto“ wirkt generell wie eine gut gerührte Mixtur vor allem der letzten Werke seiner Bandprojekte. Da wird mit hart angeschlagenen Honkytonk-Akkorden wie im sehr harmonischen „Alone In My Home“ an die späten White Stripes erinnert, „Black Bat Licorice“ könnte in leicht modifizierter Form auch ein Dead-Weather-Album bereichern und die grundsätzlich eher rootsorientierten Raconteurs lugen bei der insgesamt schon eher country’n’western-affinen Stimmung immer mal wieder durch die Saloontür.
Jack White veranstaltet auf „Lazaretto“ selbstverständlich eine groß angelegte Musikinstrumentenparade und so dürfen diverse Gitarren und Streicher in immer wieder neuen Zusammensetzungen wahlweise gestrichen, gezupft oder geschlagen werden. Dass White überdies auch ein großer Verfechter diverser Tastenklänge ist, lässt sich vor allem am Eröffnungsstück „Three Women“ ablesen. Es ist allerdings nicht immer einfach, dem Album eine gewisse Innovationsbereitschaft zu attestieren, zu ähnlich scheinen die Parallelen zu Whites bisherigem Schaffen. Jedoch schafft er es, den selbst gewählten engen Rahmen immer wieder durch Überraschungsmomente zu sprengen.
So darf das Gitarren-Arpeggio zu Beginn von „I Think I Found The Culprit“ gar lieblich klingen, bevor der Song zu einer wehmütigen Bluesmoritat wird. Im abschließenden „Want And Able“ ist White dazu so nah wie noch nie am amerikanischen Folksong: volkstümliche Melodie trifft auf allegorischen Text und kann aufgrund der stetig wiederholten Zeilen „Who is the who, telling who what to do?“ sofort mitgesungen werden. Genau diese Textzeilen kennzeichen aber auch den Charakter des Albums, denn White scheint auch zum Ende hin noch nicht vollends mit der Suche nach seiner amerikanischen Musikvorstellung abgeschlossen zu haben. So ist „Lazaretto“ ein gutes, aber eben doch nur ein „American Songbook“. Ob sich die vorangestellte „Größe“ auch noch ergibt, zeigt dann wohl die Zeit.


