KlaxonsLove Frequency
| Tweet |
Label:
Because
VÖ:
13.06.2014
Referenzen:
Primal Scream, Jagwar Ma, The Chemical Brothers, Gorgon City, Late Of The Pier, Cut Copy
|
|
Autor: |
| Uli Eulenbruch |
Wenn die Erfinder von „New Rave“ von Liebe singen, sollte man sich davon lieber keine tiefe emotionale Wahrheit erhoffen. Näher als der zwischenmenschlichen Wahrhaftigkeit kommen Klaxons auf ihrem dritten Album dafür eben jenem R-Wort, das ihrem Neonrock anfangs nur als werbeträchtige Markenbezeichnung gedient hatte. Danceaffin wie noch nie gehören die Engländer, bei aller Liebe zu (Madchester) Rave, mit „Love Frequency” aber vor allem zu den letzten großen Hochstaplern im Pop. Ein Wunder, dass sie sich nicht trendheischend in KLXNS umbenannt haben.
Nicht immer war es leicht zu durchblicken, wo bei Klaxons das Popkalkül aufhörte und wo die Menschen dahinter lediglich großspurige Ideen blind durch die Gegend warfen. Keine Gelegenheit schienen sie auszulassen, den Einfluss von Burroughs, Pynchon und Crowley auf ihr Debütalbum zu erwähnen, zusammen mit ihrer ebenso offen bekundeten Anwendung des KLF-„Manual“s und dem griffigen Genrenamen schrieben sich 2007 die Rezensionen zu „Myths Of The Near Future“ dann schon wie von selbst. Das Medieninteresse hat seitdem nachgelassen, aber auch die haarsträubenden Proklamationen seitens der Band, von der Tourplanung mit 3D-gedruckter Ausstattung einmal abgesehen. Nicht einmal eine schelmische Andeutung, dass die Initialen von Bandname und Albumtitel „KLF” ergeben …
Doch all die Ideen drumherum waren ohnehin nie angemessen oder effektiv in der Musik von Klaxons reflektiert, die am besten unter nicht allzu ernstem Hinhören funktionierte. Dem kam Ross Robinsons vermatschte Produktion der 2010er Rock-Visionssuche „Surfing The Void” eher in den Weg, auf „Love Frequency“ aber lassen Klaxons die irdisch bindenden Gitarren größtenteils in der Abstellkammer: Das Eröffnungsstück „New Reality” lädt synthetisch knarzend zum Abheben ein. Wie am Finale wirkt daran Tom Rowlands von den Chemical Brothers mit und führt es auf ähnliche Kosmosspuren wie deren Meisterwerk „Further”, was dem beschwörerisch-erleuchteten Doppelfalsett von Jamie Reynolds und James Righton ebenso gut unter die Arme greift wie das Cyberstampfen von „Children Of The Sun“, dessen schamanischer Hook einem Song der tschechischen Progrocker Flamengo entliehen ist.
Etwas näher am Zeitgeist, wenngleich etwas hinterherhängend, versucht „Show Me A Miracle“ auf der „Wut”-Welle zu surfen. „Show me a miracle, help me to see/ I need a miracle/ Follow me, follow me now“, bitten Klaxons sehnsüchtig im Refrain. Wie hier sind die Einladungen zu psychedelischen Trips und transdimensionalen Abenteuern auf „Love Frequency“ oft nicht mehr an die Leuchtstäbchen schwingende Masse im Club adressiert, sondern an eine Einzelperson. Je intimer sich dabei Klaxons geben, umso kleinspuriger wird aber manchmal ihre Vorstellungkraft, umso ineffektiver ihre Bildsprache, der die emotionale Bindung nicht so recht gelingen will. Schön hingegen, nicht nur im orgeligen Weichstrich über knuddeligem Marschtrommeln, gelingt ihnen das seelig abgehobene „The Dreamers”, dessen Refrain von schmelzenden Türrahmen und tanzenden Bergen faselt. Auch die Space-Disco „Rhythm Of Life“ ist mit ihrem Gebrabbel über kosmische Entropie textlich Bullshit der sympathischen Art, weil sie nicht ernst genommen werden will. Doch so sehr Klaxons als Pop-Scharlatane exzellieren können, ist „Love Frequency” nicht skrupellos genug auf Jetzt oder überhaupt getrimmt, um die Schwächen der Songs auszubügeln.
Am ehesten passt fraglos „There Is No Other Time“ in die aktuellen UK-Charts, doch den sauber bouncenden Produktionsstempel der House-Pop-Stars Gorgon City trägt es etwas zu deutlich und verkommt zu einer übermäßig steifen Mischung. Ähnlich flach fallen die acidig-ravigen Steigerungen in „Rhythm Of Life” (ausgerechnet, bei dem Titel) und „Atom To Atom“ oder das „Lalala”-Gelalle in „The Dreamers“, auch erweisen sich Stücke in sich geschlossen auf Dauer meist schlüssiger als im etwas eintönigen Albumfluss. Und doch: Ein gewisses verführerisches Etwas hat sie, diese „Love Frequency“ mit ihrem Willen zum Abheben. Mit „Liquid Light“ besitzt sie sogar ein makelloses Glanzstück, das allerdings ist rein instrumental – keine Chance für verbale Scharlatanerie.


