Nicht lang’ schnacken, Kopp in’ Nacken! Gerade mal 22 Minuten brauchen Mish Way, Anne-Marie Vassiliou und Kenneth William von White Lung, um ihren Standpunkt auf „Deep Fantasy“ in alter Punktradition klarzumachen. Dass es dabei laut und stürmisch zugeht, ist Ehrensache.

Und da sage noch mal einer, dass Frauen zu lange um den heißen Brei reden: Keines der zehn Stücke überschreitet die Drei-Minuten-Marke auch nur ansatzweise, und wer glaubt, dass das womöglich damit zu tun haben könnte, dass Way & Co. nichts zu sagen haben, täuscht sich gewaltig. „Down It Goes“ etwa ist ein Manifest auf die eigene Sexualität und Leidenschaft und „Snake Jaw“ empört sich über den Druck, den die Gesellschaft auf Frauen hinsichtlich ihrer Körperformen ausübt. Perfekte Themen also, die man beim nächsten Abendessen mit den Schwiegereltern mal anschneiden sollte.

Beschäftigte sich Way auf dem zweiten Album „Sorry“ noch vornehmlich mit den Problemen anderer und berichtete beispielweise über die verschiedenen Suchtkrankheiten in ihrem Freundeskreis, erzählt sie nun auf „Deep Fantasy“ auch von ihrer eigenen Alkolhol- und Drogenabhängigkeit. Am deutlichsten wird sie im druckvollen Eröffnungssong „Drown With The Monster“, in welchem die Sängerin auf sich selbst einzureden scheint und damit eine Intensität erreicht, die nicht nur aufgrund der Hektik ordentlich durchrüttelt, sondern zudem den Magen einmal um die eigene Achse dreht.

Etwas melodischer wird es in „Just For You“, in welchem Way zumindest im Refrain wie eine junge Courtney Love klingt, als deren gute Tage noch nicht vorbei waren, wohingegen die Scheiß-Drauf-Attitüde von „Wrong Star“ ein echtes Highlight auf diesem dritten Album von White Lung ist. Das beste Stück ist aber klar das fast schon hymnenartige „In Your Home“ ganz zum Schluss, auf dem die 29-Jährige einmal mehr beweist, dass sie nicht einfach nur die Frontfrau irgendeiner kanadischen Punkband ist, sondern eine echte Persönlichkeit, die man im Auge behalten sollte.

Ein Kommentar zu “White Lung – Deep Fantasy”

  1. […] Riot Grrrl Flair. Ab dafür! Und da ich ein so verdammt schlechter Schreiber bin, zieht euch doch das Review von Jennifer auftouren […]

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