TombsSavage Gold
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Label:
Relapse
VÖ:
13.06.2014
Referenzen:
Deafheaven, Death, Baroness, Woods Of Desolation, Liturgy
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Autor: |
| Mark-Oliver Schröder |
Relapse scheint es sich 2014 zur Aufgabe gemacht zu haben, allgemeine Blickperspektiven auf Metal zu verschieben und althergebrachte Positionen zu verrücken, aber auch immer die Geschichte, die Ahnentafel des Genres fest im Blick zu haben. So veröffentlichte das Label aus Upper Darby dieses Jahr bis dato unter anderem so unterschiedliche wie feine Alben von Indian, Nothing, Nux Vomica oder Serpentine Path und pflegte auf der anderen Seite mit tollen und oft umfangreichen Wiederveröffentlichungen von Death oder God Macabre die Bewusstseinsbildung, wo denn Vieles, was wir heute für selbstverständlich halten, seinen Ursprung nahm. Als ob sie all dies noch einmal unterstreichen wollten, veröffentlichen Tombs aus New York ihren dritten Langspieler „Savage Gold“ auf Relapse.
Die Musik von Tombs ist schwer zu fassen. Selbst in Zeiten von Post-Irgendwas-Metal und einem Doom- und Sludge-Boom setzt sich das Quartett ganz locker neben alle beziehungsweise auf alle Stühle gleichzeitig. Selbst das beschreibt das Hörerlebnis von „Savage Gold“ irgendwie nur ungenügend: Tombs haben es geschafft, mich beim ersten Hören komplett auf dem falschen Fuß zu erwischen. Dabei hat das Artwork, das irgendwo zwischen Classic-Rock und Progressive-Schmock chargiert, sicherlich ein wenig zur Verwirrung beigetragen. Denn wenn man sich erstmal gemütlich mit einem Glas besten Whiskeys in der Rechten und der Cohiba in der Linken in den Ohrensessel hat fallenlassen und voller Erwartung sein Gehör auf unendlich komplexe Gniedelsongs justiert hat, galoppieren die Black-Metal-Blastbeats, die aus den Boxen schallen, durch das unvorbereitete Oberstübchen wie die sieben Reiter der Apokalypse.
Wenn wir es hier jedoch nur mit einer weiteren Inkarnation von Black Metal 2.0 zu tun hätten, wären die Verwirrung und die sich einstellende Neugier auf das Folgende sicherlich nicht zu erklären. Tatsächlich machen Ben Brand (Bass), Garett Bussanick (Gitarre), Andrew Hernandez (Schlagzeug) sowie Kopf, Sänger und Gitarrist Mike Hill uns und sich die Sache nicht so einfach. Zwar erweist sich Black Metal im Verlauf von „Savage Gold“ als ungemein wichtiger Einfluss, sozusagen als Grundierung, auf der die Vier aufbauen, aber es kommt noch so Einiges hinzu, das nicht unbedingt zu erwarten gewesen wäre. Als Erstes wäre da sicherlich schon Hills Gesang zu nennen, der eben nicht Black-Metal-typisch eingebettet aus dem Klangkörper der Band heraus heult, sondern eher klingt wie bei Mastodon oder Baroness. Denn Tombs, das kann man durchaus aus der Darbietung der Musik heraushören, verstehen Musik auch als sportliche Angelegenheit. Daher wirkt es nur logisch, wenn die Band offensiv ihr Können zu Schau stellt, das von Classic-Metal bis Sludge reicht.
Wenn dabei eben nicht bloß breitbeiniger Angebermetal herauskommt, liegt dies sicherlich auch an Hills Mut dafür, aus der sicheren Rolle zu fallen, sich angreifbar zu machen, sich bei allem lyrischen Nihilismus verletzlich zu zeigen. Denn Hill, dem man deutlich anmerkt, dass er sich im aggressiven Geshoute wohlfühlt, wagt sich auch vermehrt an Klargesang. Das unsichere Terrain bereitet ihm offensichtlich ein paar Probleme, was den Songs eine spezifisch menschliche, fragile Note zufügt, die musikalisch so wohl nicht so einfach hätte erreicht werden können.
Wenn „Savage Gold“ außerdem noch Zeit und Platz für Ausflüge in die Abgründe des Industrial-Noiserock findet und der so entstandene Song sich wie das Natürlichste in die Struktur und den Fluss der Platte einreiht, macht dies nur noch einmal deutlich, dass der progressive Touch, den das Cover andeutet, sich auch im Spiel der Band wiederfindet. Mit „Savage Gold“ ist Tombs das bis jetzt beste Relapse-Album des Jahres gelungen.


