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Fucked Up – Glass Boys

Die verspielte, beinahe zarte Xylophonmelodie zu Beginn von „Echo Boomer“ führt zunächst auf eine falsche Fährte. Nach gut einer halben Minute jedoch legt das Schlagzeug los, breite Gitarrenwände bauen sich vor dem inneren Auge auf – und Fucked Up sind endgültig wieder zurück.

„Glass Boys“, das insgesamt vierte Album der Kanadier und das erste nach der opulenten Punk-Oper „David Comes To Life“, ist im Vergleich zu seinem Vorgänger geradezu kurz geraten: Zehn Songs in gut einer Dreiviertelstunde schmettern Damian Abraham und seine Kollegen der Hörerschaft entgegen, angefangen mit dem bereits erwähnten „Echo Boomer“. Stetig eine weitere Noise-Schicht tragen Fucked Up hier auf, bis das Finale in einem lauten, aggressiven Donnergrollen mündet.

Zwar tönen die Songs nicht nur aufgrund der kürzeren Spielzeit weniger episch als auf „David Comes To Life“, treffen aber ebenso heftig in die Magengrube. Der Spaß geht auf „Glass Boys“ trotz aller Härte nicht verloren: Da wären etwa die melodischen Riffs von „Warm Change“ oder der augenzwinkernde Verweis auf das eigene Altern in der ersten Single „Paper The House“ – und im ausschweifenden „Led By Hand“ hilft sogar ein gewisser J Mascis aus.

Verblüffend sind eben immer genau jene Momente, mit denen man derart nicht gerechnet hat. So wirkt der akustische Einstieg in „Sun Glass“ in keiner Weise deplatziert, sondern wie ein weiterer notwendiger Baustein, um „Glass Boys“ zur Vervollständigung zu helfen. Fucked Up agieren hier zwar etwas kurzweiliger, aber nicht weniger ambitioniert, um dem Hörer am anderen Ende der Lautsprecher ein lautes Vergnügen zu bereiten. Dabei entwickelt sich der beinahe schon Old-School-mäßige Punk von „The Great Divide“ schon früh zu einem starken Highlight des Albums, während „The Art Of Patrons“ das Laut/Leise-Prinzip aufgreift, aber erst nach einigen Durchgängen wirklich zu zünden vermag.

Auf der Zielgeraden wird das Sextett doch noch exzessiv: Der Titeltrack von „Glass Boys“ breitet sich in über sechs Minuten aus, wechselt mehrfach das Tempo und offenbart, dass Fucked Up weit mehr als irgendeine Hardcoreband sind, sondern viel eher Erzähler, die ihre kleinen Geschichten mit einer derartigen Liebe zum Detail dekorieren, wie es nur bei wenigen anderen Bands vorkommt. Und wenn am Ende vollkommen unerwartet ein Piano die letzten Töne anstimmt, ist endgültig klar: Diese Oper ist noch lange nicht vorbei.

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