King DudeFear

Was hat mich dieses „Jesus In The Courtyard“ begeistert. Hatte ich King Dude im Dunstkreis der von mir sehr geschätzten Cult Of Youth zum ersten Mal wahrgenommen, konnte er spätestens mit dem auch hier in der Geheimen Beute sehr wohlwollend präsentierten „Burning Daylight“ punkten. Nun kommt mit „Fear“ ein Nachfolgewerk, das immer noch im Zwielicht wandelt, aber längst nicht mehr solch eigensinnige und versponnene Wege beschreitet.

Dabei fängt Thomas Jefferson Cowgill doch so verheißungsvoll an und lässt das instrumentale Intro „Open The Door“ in den manischen Folk-Rock-Song „Fear Is All You Know“ münden, der Ängste schürt und mit deutlicher Vehemenz in den Abgrund führt. Cowgill grantelt zwar dazu mit seiner nach rostigen Nägeln klingenden Stimme, doch irgendwie wirkte das auf den Vorgängeralben wüster, brutaler, tiefer. Generell bekommt „Fear“ trotz aller martialischen Ästhetik – man betrachte das Albumcover – und angedeuteten Finsternis kein klares Bekenntnis zur Dunkelheit hin.

So changieren die Stücke zwischen barmherzigen Folksongs, die auch auf dem jüngst veröffentlichten Solowerk Kimi Kärkis ausgezeichnet funktioniert hätten und angerauhten Americana-Stampfern, die mal mehr mal weniger nach Johnny Cash, T-Bone Burnett oder sogar im besten Fall Michael Gira klingen. Immer dann, wenn Cowgill ein wenig Fahrt aufnimmt, bekommt „Fear“ eine rohe, leider aber auch wenig ausdifferenzierte Anmutung und Songs wie „Devil Eyes“ oder „Miss September“ leben nur noch von der charakteristischen Stimme des Musikers.

Dem entgegen stehen auf „Fear“ die ruhigeren Töne, die in bester Neofolk-Tradition mit Geige und anderem Zusatzinstrumentarium aufgehübscht werden und vor allem im herrlich antiquiert erscheinenden „Maria“ und im ätherischen, immer leicht windschiefen „Empty House“ für Gänsehaut sorgen. Doch irgendwie will der Funke in weiten Teilen nicht mehr so richtig überspringen, zu sehr sind die Songs auf Stimme und Atmosphäre ausgerichtet.

„Fear“ ist beileibe kein schlechtes und auch kein beliebiges Album geworden, es fehlt in einigen Teilen die letzte Konsequenz Bärbeißigkeit, die „Burning Daylight“ noch so unverwechselbar machte. Doch die Ängste, die King Dude heraufbeschwören könnte, reichen dieses Mal leider nur für den wohligen Schauer zwischendurch.

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum