Owen PallettIn Conflict
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Label:
Domino
VÖ:
23.05.2014
Referenzen:
Patrick Wolf, Ólafur Arnalds, Arcade Fire, The Hidden Cameras, The Mountain Goats
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Autor: |
| Laura Schaefer |
Owen Pallett ist ein Musiker par excellence. Irgendwie hat der Kanadier immer irgendwo seine Hände im Spiel, sei es eine Kollaboration mit anderen Künstlern (Arcade Fire, Robbie Williams oder Mika), das Schreiben von Arrangements (The National, Pet Shop Boys und R.E.M.) oder von Soundtracks für Filme und Videospiele – und kürzlich eine Nominierung für den Oscar in der Kategorie beste Filmmusik (zusammen mit Will Butler von Arcade Fire für Spike Jonzes „Her“). Schwer was los also bei dem 34-jährigen Multiinstrumentalisten, der seine ersten zwei Werke noch unter dem Namen Final Fantasy herausgebracht hatte.
„In Conflict“ ist besonders. Es ist ein Album, das nur so vor Melodien und gewissenhaften Arrangements strotzt und dabei immer viel Wert auf eine ausgeklügelte Instrumentierung setzt – was erwartet man auch weniger von Owen Pallett. Nachdem 2010 „Heartland“ eine orchestrale Ode mit minimalen elektronischen Soundschnipseln war, legt er mit seinem zweiten unter eigenem Namen veröffentlichten Album noch eins drauf und wird abermals vielfältiger. Dafür holte er sich zusätzlich noch das FILMharmonic Orchester Prag sowie Musikerlegende Brian Eno an Bord. Ein auditives Sounderlebnis scheint sich da anzubahnen – und ja, es ist eins geworden.
Wenn man durch sein eigenes Leben trottet und Palletts Musik dabei hört, reißt es einen aus der Lethargie in eine andere Welt. Seine Musik hat einen hohen kompositorischen Anspruch, der eigentlich immer an Filmmusik erinnert, ohne aber dabei in romantische Klischees abzudriften und den Zuhörer zu verklären. „I Am Not Afraid“ beginnt mit Streichern, die tremolohaft Palletts Stimme begleiten. Viel mehr geschieht zunächst nicht, um aber nicht ganz in eine Moulin-Rouge-Stimmung zu geraten, sind hier und dort ruckartige Electrosounds eingebaut. Erst ab der Mitte des Songs wird klar, was für ein Soundtüftler Pallett eigentlich ist. Für einen kurzen Augenblick verabschieden sich die Streicher, Klavier und elektronische Klänge gewinnen die Überhand, schon bald kommen Bläser, Streicher und Chor dazu. Es gibt viel zu entdecken, in einem Song nach dem anderen. Vielleicht ist dem Einen oder Anderen ein solch klassisch und romantisch anmutendes Album einfach zu viel, doch bei genauerem Hinhören ist es nicht nur das. Besonders textlich greift der Songwriter noch tiefer und persönlicher als jemals zuvor: „And I’m not afraid of changing but I don’t know what good it would do me/ I am no longer afraid/ The truth doesn’t terrify us, terrify us/ My salvation is found in discipline, discipline, discipline”.
Schnell merken auch bislang mit seinem Schaffen Unvertraute, dass der ausgebildete Violinist gerne sein eigenes Instrument einsetzt. Die Geige ist der neue Hit, dabei wandern die Streicherarrangements durch glitzernde, dramatisch gespielte, aber immer von Pizzicato-Passagen erleichterten Avantgarde-Balladen („On A Path“), hin zu fast tanzbaren Nummern. In denen sind die Streicher nur sekundär wichtig und fügen sich prima in das elektronische Raster ein („Song For Five & Six“). Pallett weiß wie kaum ein anderer, Orchesterinstrumente für sich zu beanspruchen und dabei ihre klassische Impression aufzubrechen. Innerhalb seiner Songs setzt er sie in einen neuen, avantgardistischen Kontext, weder schwerfällig, noch kitschig. Zwischen warmen Balladen, taucht auf dem Album sogar Orchesterrock auf: „The Riverbed“ überzeugt durch treibende Streicher, knackige Drums und eine Prise Elektronik. Ungewohnt im Hintergrund findet sich Palletts Falsettgesang wieder. Überzeugend fortschreitend und düster platziert Pallett seine Orchester über „In Conflict“, ohne den roten Faden in der Musik zu verlieren.
Pallett ist ein Songkomponist, der es liebt, mit Musik zu spielen. Eben das ist auch „In Conflict“: nicht anzusiedeln zwischen Konzeptalbum oder dergleichen, aber dennoch musikalisch ausgewieft, dass man dieses Klangerlebnis sofort live von Pallett präsentiert haben möchte, mehr voranschreitend, perkussiver und elektronischer, sich dennoch nie verzettelnd und stets zwischen Pop und Kammermusik angesiedelt. 13 Songs lang entführt uns der Kanadier auf eine kleine erholsame Reise, wohin diese aber gehen soll, darf man für sich selbst entscheiden.


