Conor OberstUpside Down Mountain
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Label:
Nonesuch
VÖ:
16.05.2014
Referenzen:
First Aid Kit, Frank Turner, Mystic Valley Band, Beck, Bonnie "Prince" Billy
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Autor: |
| Philipp Kressmann |
Conor Oberst im Alleingang. Weder das Bright-Eyes-Gespann, noch die Mystic Valley Band begleitet den Folk-Troubadour auf „Upside Down Mountain“. Es sollte Conors heimliches Country-Album werden, unterstützt unter anderem von Multiinstrumentalist und Produzent Jonathan Wilson sowie dem Country-Duo First Aid Kit, das bei den Background-Vocals zu hören ist und das auf ähnliche musikalische Wurzeln zurückschauen kann. Auffällig: die extrem cleane Produktion, die auf ein Hörbarmachen des Raums weitgehend verzichtet.
Tatsächlich klingen die dreizehn Stücke wie ein Kompromiss zwischen den countrylastigsten Stücken auf „I´m Wide Awake, It´s Morning“ und der Anfangsphase der Mystic Valley Band, als sie sich noch nicht dem raueren Rock’n’Roll verschrieben hatte. Die Countryelemente halten sich im Hintergrund, auch wenn dieser gewisse Flavor unverkennbar ist, Oberst spielt eher typischen Akustikfolk. Während „The People´s Key“ noch überkonzeptuell und sehr kryptisch angelegt war, ist auch Obersts Songwriting wieder sehr nah und unmittelbar geraten, ohne dabei jedoch wie bisher ins Melodramatische abzugleiten. Im Gegenteil, die mit Trompete untermalte Single „Hundreds Of Ways“ ist fast schon purer Optimismus: „There are hundreds of ways to get through the day“, singt ein nicht zittriger Oberst zu karibischem Flair und Saxophonsoli.
Viele Songs kreisen jedoch um das Kernthema Zeit, schon immer ein Topos im Universum des Conor Oberst. Hier jedoch nicht im gesellschaftskritischen Sinne, dass Zeit immer mehr panökonomisch kodiert ist (Oberst kennt man ja schließlich als einen sozialkritischen Songwriter), eher in Bezug auf die eigene Innenwelt. Die Illusion, der welterklärenden Zeit mächtig zu werden, wird hier verworfen: „I used to think that time was of the essence, now I just wish I could get some sleep“. Man könnte meinen, Oberst habe verzichten gelernt – und sei damit glücklicher geworden. „I don´t remember getting here, but I am glad I came“, reflektiert er in der minimalistischen Akustiknummer „Double Life“.
Die Zeit herrscht über den Menschen, nicht andersherum: „But I can´t live outside the moment“, gesteht Oberst im ebenfalls spärlich instrumentierten „Night At Lake Unknown.“ In diesem Sinne lassen sich die Songs durchaus als Puzzlestücke lesen. Dazu kommt, dass die Arrangements sehr homogen geraten sind – neben der Single bildet da noch das schön trampelnde „Governor´s Ball“ eine Ausnahme, das den Staub von der E-Gitarre weht und ein euphorisches Saxophonsolo bietet. Ein wenig mehr vitale Sequenzen dieser Art hätte man sich vom Album gewünscht, das trotz erneut übersolidem Songwriting ein wenig einschläfernd wirkt.
Mitunter vermisst man aber auch noch mehr jene Gebrochenheit Obersts, die seinen Songs das gewisse Etwas verlieh, zu Zeiten, in denen man förmlich mitzitterte, dass der vibrierende Conor beim Singen nicht zugrunde geht. Auch wenn man sich natürlich aufrichtig freut, dass es ihm gut zu gehen scheint.


