Die Auflösung der charmanten Superpunk wurde verkraftbar durch die Liga der ganz gewöhnlichen Gentlemen, in der sich ein großer Teil der Band wiederverpflichtete. Mod-affin präsentierten sie sich ebenso gerne wie Superpunk, die der jüngeren Generation etwa in „Das Waren Mods“ ganz unelitär unterhaltsam erklärt hatten, was ursprünglich der Bionade-Kronkorken bedeutete. Selbst Jan Müller – als Tocotronic-Member natürlich kein Sportbegeisterter – fand Gefallen an einem Fußballsong der Gruppe.

Die Liga inszeniert sich traditionsbewusst: Auf dem Plattencover ist unten links ein Stereo—Emblem. Aber trotz der auch klanglichen Orientierung am Beat, Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen ist viel zu albern, als dass UK-Konservative unmittelbar Freude an ihr haben könnten. Man nehme etwa das leierige „Das Unglück Bin Ich“, in dem Carsten Friedrichs Zeilen wie diese singt: „Hätte ich einen Hund, er würde mich beißen/ Hätte ich eine Tochter, sie würde mich beißen.“ Kein Zeichen von britischer Arroganz aus der Gosse, denn man muss sich ja auch selbst auf Parties einladen („Alleine Auf Partys“).

Dies sind Schluddersongs, wie sie schon das Debüt bot, auch wenn ein Hochglanzhit wie „Jeder Auf Erden Ist Wunderschön (Sogar Du)“ vermisst wird. Der Titeltrack ist da am nächsten dran, wenn wild über die Keyboardtasten gewischt wird, aber auch das mit Claps unterfütterte „Rock Pop National“, das ebenfalls lyrisch brilliert: „UNO greif ein!“, fordert Friedrichs anlässlich geschmacksverirrter Compilation-Konsumenten. Auch hier wieder Aufklärung und Flohmarkt-Empfehlung inklusive: „Oder die Beach Boys Greatest Hits Volume 2 für nur 4 Euro oder sogar nur für 3, sogar für 3!“ Hauptsache, es reimt sich. Die Band macht darum gar kein Geheimnis. Auch (wieder) toll: die vielen Trompeten- und Saxophoneinsätze, wie beispielsweise auf dem zackig euphorischen „Meine Kicks krieg ich von dir.“

Wenn man Eines auch auf dieser Scheibe nicht vermisst, dann ist es Humor und Spielfreude, kurzweilige Unterhaltung bietet sie sicherlich. Dass die Band aber nicht versucht, ernstere Phänomene wie das der Gentrifizierung (wie Rick McPhail kürzlich in einem Zeit-Interview betonte: Auch die Reeperbahn ist betroffen – und mit ihr doch das historische Milieu der Musiker, die Die Liga Der Gewöhnlichen Gentlemen beeinflusst haben) anzusprechen, unterscheidet sie dann doch von anderen Projekten, die trotz Spaßkomponente ernstere Themen streifen – Olli Schulz sei hier als Songwriter-Beispiel angeführt, aber ebenso die oftmals humorvollen Sterne. Das kann man als Schwachpunkt beurteilen oder positiv als Stilsicherheit der Band, die weiß, was sie kann und das lieber anderen Kollegen in Hamburg überlässt. Man kennt sich ja schließlich.

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