Einen Text über The Hold Steady zu schreiben, ohne Bezug auf schmuddelige Bars, die Unwegbarkeiten des „American Way of Life“ und zwischenmenschliche Eskapaden zu nehmen, ist eine schiere Unmöglichkeit, schon ganz allein deshalb, weil jedes Album der New Yorker Indierock-Band diese Themen wieder aufs Tablett bringt.

Dieses Mal liegt der Fokus vor allem auf den Beklemmungen und Ängsten, die man so im Inneren spürt, wenn man zum Beispiel davon träumt, dass einem die Zähne ausfallen. Landläufig heißt es ja immer, ein solcher Traum würde den Tod eines Nahestehenden voraussagen. The Hold Steady benutzen diesen geistfernen Hokuspokus eher als Metapher für die emotionale und soziale Hypochondrie, mit der manche Menschen tagein, tagaus durch das postmoderne Amerika vegetieren und sich ihre letzte Erfüllung in Rauschmitteln oder Sex holen.

Ansonsten steht bei The Hold Steady soweit alles am richtigen Platz. Der breitbeinig-charmante Gestus in Craig Finns Songs ist allgegenwärtig spürbar, die zehn neuen Stücke sind so handfest und dennoch clever wie eh und je, auch wenn die frühen Glanztaten der Band nach wie vor unerreicht bleiben. Der neue Mann an der Gitarre, Steve Selvidge – ehemals angestellter Country-Punkrocker bei Lucero – macht das, was man von einem neuen Mann erwartet: treibt das Spiel von hinten an, ohne sich groß in den Vordergrund zu drängen. Letztlich vereint „Teeth Dreams“ auf der sehr konkreten Ebene der musikalischen Klangästhetik alles, was der gemeine Gitarrenfreund braucht, und dann ist es letztlich egal, ob er von Beruf Holzfäller oder Professor für Vergleichende Literaturwissenschaften ist.

Die Platte beginnt mit dem furiosen und äußerst kraftvollen „I Hope This Whole Thing Didn’t Frighten You“ – ein Song, der die Angst und Unsicherheit bereits im Titel trägt und dennoch so zielstrebig durch die Straßen zieht, als gelte es, mit der Faust in der Jeanstasche eine Welt aus Beton, alten Kippen und billigem Whiskey zu erobern. Im darauf folgenden „Spinners“ – will mal sagen: bester Song des Albums – spielen The Hold Steady groß auf und zelebrieren ihre Version von Stadionrock, allerdings eher für Stadien mit heruntergerockten Stehrängen, auf denen der Wildwuchs wuchert und der raue Wind unaufhörlich ruppt. Natürlich schimmert an allen Ecken und Enden auch die Bewunderung für Bruce Springsteen durch, aber die muss ja nun auch nicht weiter thematisiert werden, ist sie doch systemimmanent bei Craig Finn und Co.

Im weiteren Verlauf erzählt Finn waidwunde Geschichten über Herzschmerz, Frustration und die Möglichkeiten, all dies zu vergessen und zu verarbeiten. Dabei präsentieren die US-Amerikaner auf „Teeth Dreams“ die Bandbreite ihrer musikalischen Möglichkeiten, vom semiballadesken „The Ambassador“ über den kraftmeiernden Rock von „Big Cig“ bis hin zum epischen „Oaks“, einem neunminütigen Rauswerfer, der das Tempo drosselt, sich selbst im Pathos ertränkt – und sämtliche Ängste und Beklemmungen gleich mit.

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