Psalm ZeroThe Drain

Wenn Bands ihre SängerInnen ausschließlich aus den Reihen der Muppets rekrutieren würden, so genösse im Metalbereich das Krümelmonster gewiss einen signifikant höheren Beliebtheitsgrad als Kermit der Frosch. Doch genauso wenig, wie der quäkige Charlie Looker der geborene Metalvokalist ist, sind Psalm Zero eine typische Metalband. Leichte Kost ist das Album des New Yorker Duos keine – zumindest so lange, bis man sich an seine Sichtweise gewöhnt hat.

Looker war bislang vor allem für sein Werk mit Extra Life bekannt, doch seine markant gequetscht-belegte Stimme überträgt sich erstaunlich passend auf die noch weniger Ruhepole bietende Industrial-Wucht, die er mit Andrew Hock (Castevet) als Psalm Zero heraufbeschwört. Die mechanische Stoik der kräftig wetzenden Drum Machine, neben der die beiden mit Bass, Gitarre und gelegentlich Synthesizer agieren, intensiviert nur die Fabrikhallen-Ästhetik von „The Drain“. Sein Sound hallt so weit und ohne atmosphärische Texturen zugleich so kalt nach, dass aber auch klar ist, dass Psalm Zero in dieser Halle ganz alleine sind mit sich und ihrer Fleischlichkeit. Looker und mit kürzeren, heiseren Schreiausstößen auch Hock schneiden sich nicht nur in ihren Texten voller Splitter und Brandwunden ins eigene Fleisch, ihre Songs sind wie das Zerrbild einer glückseligen Welt. Psalm Zeros Mittel ist jedoch nicht viszerale Intensität und Aggression.

So verlaufen der Refrain von „Force My Hand“ oder “Undoing“s durchaus catchige Strophen nach Mustern und in Richtungen, die vielleicht auf Hoffnung abzielen könnten, treffen dabei aber derart die falschen Akkorde und streuen Missklänge in Harmonien ein, dass sie eben davon völlig verlassen wirken. Es ist, als besäßen sie nur noch eine verzerrte Erinnerung und könnten das Original nicht rekreieren, wobei sich gerade die zwei letzten der sechs Songs schneller erschließen, auch unter Beibehaltung komplexer Strukturen. Vor allem „Meanwhile“ setzt zu einem geradezu optimistischen Refrain an, wenn Looker seine Stimme mit „History’s end“ erhebt, sie jedoch in der zweiten Satzhälfte mehr als resigniert senkt und varariationsweise mit „Meanwhile, the wheel turns“ oder auch „Meanwhile, a child is sold“ endet.

Der Song richtet sich gegen ein befriedigtes Zurückblicken, das die Augen vor der Gegenwart verschließt, während „Chaos Body“ sich von der Außenwelt abkapselt, immer manischer abgehackt und fragmentiert wird der Gedankenfluss aus Ausrufen, die sich in klaustrophobischer Ohnmacht gegenüber dem eigenen Körper ergießen: „Hell/ Hell is a face/ Hell is a mirror/ drown/ fall in/ drown“, „Hell is lust/ swell up/ lust/ swell up/ cancer/ swell up and choke me/ tumor/ swell up and blot out the sun“. Synthetische Streicher lassen darüber Eisendraht regnen und man ertappt sich irgendwann auf einmal dabei, wie man in rhythmischem Schwung den Nacken hin- und herkippt.

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