DillonThe Unknown
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Label:
BPitch Control
VÖ:
28.03.2014
Referenzen:
Soap & Skin, Nico, Bat For Lashes, Zola Jesus, Soley, Björk
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Autor: |
| Jennifer Depner |
Zart und zerbrechlich scheint Dillons zweites Album „The Unknown“ zu beginnen: Der Titeltrack startet sachte mit dem Gesang und sorgt mit ruhiger Pianountermalung für Gänsehaut. Nach gut einer Minute beginnt es jedoch zu brodeln.
„Under pressure we crack/ and recede into depths/ far from where we began“, singt Dominique Dillon de Byington und zeichnet damit ein düsteres Weltbild, geplagt von Leid und Schmerz, Trauer und Wut. Wie eine Dampfwalze überrollt der elektrisch flimmernde Synth-Vorhang, der sich über das eben noch so feinfühlige Piano gelegt hat, den Hörer und hinterlässt ein aufwühlendes Gefühl im Magen. Mit der Brasilianerin geht es nach dem doch eher positiv gestimmten Debüt „This Silence Kills“ ganz tief nach unten.
Am schlimmsten ist dabei, der Albumtitel verrät es bereits, das Gefühl der Unwissenheit. Beinahe futuristisch geben sich die zwölf neuen Songs, was sicher nicht zuletzt an den kühlen, hauptsächlich am Computer gezauberten Arrangements liegt. Doch Dillon spielt zudem damit, dass sie nicht benennt, wovor man sich eigentlich mehr fürchten muss: vor der Menschheit oder der Natur, der Gegenwart oder der Zukunft – oder der Vergangenheit, die einen mit all seinen im Keller begrabenen Leichen womöglich irgendwann einholt. Und wenn die 25-jährige in „Into The Deep“ schließlich flehend die Worte „Reach for me“ wiederholt, packt man sie am besten schnell und sucht das Weite. Die unbekannte Gefahr könnte schließlich überall sein.
Die Single „A Matter Of Time“ dient als bestes Beispiel dafür, was Dillon mit ihrem Zweitling bezwecken will: Die Texte sind eher als Poesie anzusehen, der Spielraum für jegliche Rahmenhandlungen dementsprechend groß – der Hörer tappt stets im Dunkeln, wird aber von der unschuldig klingenden Stimme in jedes noch so kleine Loch gezogen: „Rain fills my eyes/ in the sea I lose my mind/ I’m only a matter of time.“ Zuweilen ist diese allgegenwärtige Melancholie kaum zu ertragen; sie einfach loszulassen, scheint aber ebenso unmöglich zu sein.
„The Unknown“ ist eine reine Gefühlsangelegenheit, mit allen Facetten. Wenn der Beat von „Forward“ wie ein Herzschlag klingt, Dillon sich in „Don’t Go“ vor Sehnsucht und Begierde verzehrt oder in „Nowhere“ auf Krawall gebürstet zu sein scheint, ist das großes emotionales Kino. So wird unterschwellig auch klar, wovor der Mensch wohl am meisten Angst haben sollte. Wie schrieb schon die Autorin Laurel K. Hamilton? „People are supposed to fear the unknown, but ignorance is bliss when knowledge is so damn frightening.“ Recht hat sie.


