„Forcefield“, also „Schutzschild“, nennt der kanadische Vierer Tokyo Police Club sein drittes Album und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Dumm nur, dass die Herren vor allem gegen sich selbst zu kämpfen scheinen – und das nicht immer gleichermaßen erfolgreich.

Es hätte aber auch so einfach sein können. Als die Band rund um Sänger David Monks im Jahr 2008 ihr Debütalbum „Elephant Shell“ veröffentlichte und der Musikwelt das energetische „Your English Is Good“ um die Ohren haute, staunten einige nicht schlecht und witterten bereits das nächste große Ding. Mit dem Nachfolger „Champ“, der vor allem bei ihren nordamerikanischen Nachbarn bestens ankam, schien der große Durchbruch fast sicher und Tokyo Police Club oben angekommen zu sein. Und doch wollte der Knoten nicht so richtig platzen – und mittlerweile verfilzt er auch noch unnötigerweise. Da half auch die etwas dürftige 2011er Cover-Compilation „Ten Songs, Ten Years, Ten Days“ nicht so recht. Und „Forcefield“? Sagen wir es mal so: Das hält längst nicht jeder Kraft von außen stand.

Dabei startet es durchaus ambitioniert: Mit dem dreiteiligen „Argentina“ und einer geballten Spielzeit von achteinhalb Minuten wagen Monks & Co. das Risiko, den mit Abstand längsten Song des Albums direkt an den Anfang zu stellen. Ein erfolgreiches Experiment, die in voller Breite erzählte und mit ehrlichen Worten untermalte Liebesgeschichte („If I was an asshole/ thank you for keeping/ a smile on your face“) gehört mit zu den besten Stücken in der Bandgeschichte und zeigt, wie Power-Pop klingen kann, ohne dass er sich zu sehr dem triefenden Kitsch oder hohlem Euphoriegebrüll hingeben muss.

So ganz können Tokyo Police Club die von ihnen nach oben manövrierte Messlatte danach nicht mehr erreichen. Dennoch wissen das spacige „Tunnel Vision“ und auch „Gonna Be Ready“ mit seinen rotzigen Garage-Rock-Anleihen zu gefallen, auch das poppige „Beaches“ lässt mit einem melancholischen Lächeln alte Erinnerungen an „Elephant Shell“ vor dem inneren Auge aufblitzen, während man sich immer noch fragt, was womöglich hätte werden können.

„Hätte, hätte, Fahradkette“, würde Steinbrück jetzt wohl sagen. Denn obgleich der nostalgische Blick zurück nicht weh tut, bringt er nichts: Das so offensichtlich auf Radio-Hit getrimmte und vollkommen gehaltlose „Toy Guns“ hätte es weder auf „Forcefield“ noch auf den Vorgängern gebraucht und der Schlussakt mit „Feel The Effect“ war mit seiner 80er-Gitarre sicher gut gemeint, fällt aber leider arg flach ab. Game over ist für Tokyo Police Club natürlich noch lange nicht – aber sie haben zumindest an Leben einbüßen müssen.

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