Micah P. Hinson hat schon eine ganze Menge Unwägbarkeiten hinter sich gebracht und diese nicht selten in seine zumeist ziemlich persönlichen Americana- und Country-Songs eingebettet. Auf „Micah P.Hinson And The Nothing“ kommt eine zweite Ebene hinzu, lässt er sich doch von zahlreichen Musikerkollegen vor allem instrumental unterstützen, da er Arme und Beine nach einem schweren Autounfall nur eingeschränkt nutzen kann. So wird das Album zu einer ziemlich privaten Angelegenheit, zuweilen gar zu einer intimen Selbstbetrachtung, der man sich nur schwer entziehen kann.

Schon auf den vorhergehenden Alben konnte Hinson vor allem durch seine abwechslungsreiche Stimmfarbe überzeugen, die mal countryhaft dem Abendhimmel entgegen croont oder mit bebendem Timbre dem Niedergang verfallen ist. Das hat sich auch auf dem aktuellen Werk kaum geändert. Mit dem stürmischem Auftakt „How Are You, Just A Dream“ legt er zwar eher eine seltene, später nicht mehr genutzte Fährte in Richtung Rock, danach überwiegen die wohlbekannten Rootsklänge, bei denen sich Hinson von privaten Geschichten leiten und beeinflussen lässt.

So darf weder die schon länger live performte Ode an den Großvater „The Life Living Death And Dying Of A Certain And Peculiar L. J. Nichols“ fehlen, die beschwingt vor sich hin jangelt, noch das nahezu klassisch anmutende „On The Way Home (To Abilene)“, das Hinson seiner Heimatstadt widmet. Besinnlicher wird es bei „I Ain’t Movin’“, dass vielleicht sogar nicht von ungefähr an das wundervolle „Coward“ des artverwandt singenden und leider viel zu früh von uns gegangenen Vic Chesnutt erinnert.

Die Stimmung wechselt recht häufig auf „Micah P. Hinson And The Nothing“, dessen Appendix sich nicht immer vollends erschließen soll. Steht „Nothing“ hier für sein „Nichtstun“ in Bezug auf die erklingenden Instrumente oder gibt er der sanften Melancholie einen nicht immer gerechtfertigten Namen? So ganz scheint sich Hinson selbst nicht sicher zu sein, zu leidenschaftlich erklingen Songs wie das bluegrassdurchzogene „There’s Only One Name“. Und doch wird er im darauffolgenden „God Is Good“ nachdenklich, singt vom Verlassensein und Verlassenwerden.

Das neben dem bereits erwähnten „I Ain’t Movin’“ herausragende Stück ist allerdings „The Quill“. Zu sirrender Geige, gedämpftem Piano und mit gebrochener Stimme fallen Sätze wie „You Will Kill Me“. Einsamkeit hat die Szenerie vollends eingenommen und Hinson barmt um sein Leben. Sofern man bis dahin noch nicht genügend Gefühl aufgebracht hat, spätestens dann brechen alle Dämme.

Hinson hat mit seinem siebten Album eine kurzweilige, durch einen ganzen Haufen Gäste bereicherte Mischung zusammengestellt. Die intimen Momente der beiden großen Balladen heben dabei „Micah P. Hinson And The Nothing“ noch ein Stückchen höher, als es auf den ersten Blick scheint. Doch wenn „Nichts“ schon so toll klingt, bin ich auf ein „And The Everything“ mehr als gespannt.

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum