Carla BozulichBoy
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Label:
Constellation
VÖ:
28.02.2014
Referenzen:
Evangelista, PJ Harvey, Swans, Tom Waits, Scout Niblett, Xiu Xiu
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Der Experimentierkasten war wohl ziemlich weit auf, als Carla Bozulich ihr neues Album wieder unter eigenem Namen vor Augen hatte. Zuletzt mit dem düsteren, gerne dronedurchzogenen Wave-Punk-Soloprojekt Evangelista aktiv, schabt die umtriebige Künstlerin auf „Boy“ die ohnehin schon offenliegenden Ecken und Kanten bis zum Gehtnichtmehr ab und errichtet einen organischen, mantragetriebenen Kunstblues, der sich nicht so richtig zähmen lässt.
Trotz aller Sperrigkeit und den damit einhergehenden Rhythmus- und Richtungswechseln ist „Boy“ sehr einnehmend, in Teilen gar eingängig. Schon das beginnende „Ain’t No Grave“ besitzt eine Art wiederkehrenden Chorus, der sich auch durch den verschleppten Takt und die teilweise wie beiläufig in den Vorder- und Rückraum zurücklehnende Instrumentierung nicht ins Abseits drängen lasst. Musikalisch zuweilen nah an den klaustrophobischen Arrangements eines Jamie Stewart oder gar eines Tom Waits, pendelt Bozulich stimmlich zu PJ Harvey oder Marianne Faithfull.
Es wäre müßig, dem Album nicht Attribute wie „verstiegen“, „düster“, „schleppend“, „aufmerksamkeitsheischend“ und „geheimnisvoll“ anzudichten. Gerade das herausragende „Deeper Than The Well“ sowie „One Hard Man“ markieren hier Eckpunkte, während dem intensiven „Danceland“ in jedem Refrain auch eine gewisse Lieblichkeit innewohnt. Die sanft voran und wieder zurück wischende, mit Besen gespielte Snaredrum, die wie Glühwürmchen auf und ab flackernden Elektroniktupfer sowie die sanft hingewischte Stimme geben dem Stück eine Erhabenheit, die im folgenden „Lazy Crossbones“ durch das ständige Ein- und Ausblenden einzelner Begleitinstrumente unterstützt wird.
Insgesamt besticht „Boy“ durch eine Vielfalt an Takt und Gefühl, so dass der Puls des Albums zuweilen deutliche Ausschläge in beide Richtungen verzeichnet. Das im ersten Teil aufkeimende Versprechen nach Finsternis und Dunkelheit bricht zum Schluss spürbar auf, „What Is It Baby“ bekommt durch den 6/8-Takt gar versöhnliche Züge.
„Boy“ zeigt Bozulichs Neigung zu songorientiertem, aber dennoch verquerem Musizieren, ist dabei aber nicht immer stringent und führt die angefangenen Songideen nicht immer konsequent zu Ende. Mit dem fast instrumentalen „Number X“ klingt „Boy“ aus und fügt sich ansprechend in den Kanon Bozulichs ein, ohne alle Versprechen einlösen zu können.


