25 Jahre Bestehen, fast genauso viele Alben und unendlich viele Facetten. Motorpsycho haben sich über all die Jahre zu einer der emsigsten und ambitioniertesten Bands rund um Prog, Psychedelic und sämtliche Schattierungen gemausert, wie auch an dieser Stelle eindrucksvoll nachzulesen ist. Und so verwundert es nicht im Geringsten, dass die Band knapp ein Jahr nach der Veröffentlichung von „Still Life With Eggplant“ schon das nächste Werk vorlegt.

Zum Großteil in den gleichen Aufnahmesessions entstanden, spielt „Behind The Sun“ somit, wenn auch mit anderen Schwerpunkten, in etwa in der gleichen Liga wie sein Vorgänger. Während sich dieser in konzentrierten 45 Minuten darauf beschränkte, das perfekte handwerkliche Geschick zur Schau zu stellen, spiegeln die neun Songs auf „Behind The Sun“ den Reichtum der Band vielschichtiger wider. Es sind wieder exakt die Elemente, auf die die Band um Bent Sæther schon seit Ewigkeiten setzt, doch der Zauber verblasst nicht. Zu einnehmend sind die kleinen Gesten, zu raumgreifend die großen Bögen. „Cloudwalker (A Darker Blue)“ verdeutlicht als Eröffnungsstück sofort, wer hier am Werk ist. Sanft, nur mit einer Akustikgitarre herein stolpernd wird es unterstützt von griffigen Riffs wieder zu einer kleinen Hymne, die unvermittelt die Luftgitarre in die Hand gleiten lässt. Jeder, der die Band einmal an einem schwülen Sommerabend unter freiem Himmel live genießen durfte, wird hier zustimmen können. Nach dem nun folgenden mittelprächtigen, beinahe ärgerlichen „Ghost“, das sich wie Kaugummi über sechs Minuten hinzieht, öffnen Motorpsycho dann endgültig das Fenster in ihren Kosmos. In schönen Abständen wetteifern sie mit den Proghelden der 70er-Jahre, die sie teilweise schon überholt haben, hier und da scheppern die ganz harten Gitarren, „Kvæstor“ schließlich ist ein zappelndes und kaum zu durchdringendes Konstrukt, das noch einmal einen Schritt über den gewohnten ganz normalen Wahnsinn hinausgeht.

Dabei fasst „Hell, Part 4-6“ das komplette Album, vielleicht sogar die Essenz des Schaffens der Band insgesamt, perfekt zusammen. Kaum eine Facette bleibt hier unberücksichtigt, wenn Schlag auf Schlag psychedelische Töne auf Hard Rock treffen und ausschweifende progressive Klänge mit chirurgisch einsetzenden Grenzziehungen kollidieren. Gemeinsam mit „Hell, Part 1-3“ vom Vorgängeralbum und dem folgenden siebten Teil ist dieser Epos damit auch eine Art ‚Motorpsycho für Anfänger‘: Auf keinem anderen Weg kann man die Band so schnell so umfassend kennenlernen und sich gleich vertiefen. Dass auf „Behind The Sun“ für alle anderen der Überraschungseffekt fehlen mag, war aber irgendwie schon vorher klar. Schließlich griff die Band – mit Ausnahme des ausladenden „The Death Defying Unicorn“ – auch schon in früheren Jahren immer wieder auf den Fundus zurück, den sie in der ersten Hälfte des Bestehens angefüllt hatte.

Vielmehr kommt es darauf an, wie Motorpsycho ihre Stile gewichten, wie die Brüche unter und in den Songs wirken, wie geschlossen das Album in seiner Gesamtheit wirkt. In diesen Punkten haben die Norweger wieder gute Arbeit geleistet.

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