The JezabelsThe Brink

Liebe, Melancholie, Sehnsucht und Herzschmerz bieten seit jeher einen fruchtbaren Nährboden für gute Popsongs. Wenn es schlecht läuft, rücken die Inhalte hinter tanzbare Rhythmen und es schert niemanden, was der Interpret dort eigentlich singt, oder die Lieder triefen vor balladiger Gefühlsduselei und sind so pathetisch, dass sie sich nicht einmal mehr zur Bewältigung von Lebenskrisen eignen. Bei The Jezabels und ihrem neuen Album lief es ganz gut. Sängerin Hayley Mary war immer die Hauptfigur der Band und auch jetzt tritt sie nicht in den Hintergrund. Grobe Gitarrenriffs sind ein stets beliebtes Stilmittel der Jezabels und geben Balladen kaum eine Chance.

Dennoch hat „The Brink“ diesen fahlen Beigeschmack von Belanglosigkeit. Das Album ist schön zu hören, aber es gibt nichts zu ergründen. Ein Funken akustischer Raffinesse täte ihm gut und würde eine angenehme Frische einhauchen, The Jezabels bleiben jedoch bei ihren alten Eisen. Das ist nicht gänzlich verkehrt, denn so bleiben sie immerhin auf ihre Stärken konzentriert. Allerdings würde ihnen ein bisschen mehr Experimentierfreude abseits dessen, was sich bewährt hat, gar nicht schaden.

Vielleicht ist man aber auch nach dem eröffnenden „The Brink“ ein wenig enttäuscht. Der erste Track bereitet ja immer auch ein wenig auf das Album vor und zeigt, in welche Richtung es gehen soll, obendrein steht das Titelstück gewissermaßen auch symbolisch für die ganze Platte. The Jezabels verschießen einen großen Teil ihres Pulvers aber bereits an dieser Stelle. „The Brink“ setzt mit kalten Gitarrenriffs ein, Marys Stimme schmiegt sich über das rhythmusgebende Schlagzeug und im Verlauf wirbelt sich das Lied zu einem dichten Klangrausch zusammen. Nicht schlecht, jetzt erwartet man mehr, nur kommt keins der folgenden Stücke an diese gar nicht mal so überragend gute Vorlage heran.

Was folgt, sind Texte über die oben genannten Gefühlswelten im instrumentalen Rock/Pop-Gewand, mal verziert mit ein paar elektronisch anmutenden Beats, mal eher orchestral mit Streichern. Mary ist stimmlich mit voller Kraft da; sie haucht divenhaft, leiert naiv oder singt aus vollem Hals und Herzen – der Facettenreichtum ihres Organs ist und bleibt das Alleinstellungsmerkmal der Band. Hier und da gibt es ein paar Staunmomente, wenn zum Beispiel in „On The Busy Street“ plötzlich 80er-Synthie-Elemente oder in „No Country“ New-Wave-Passagen auftauchen. Die versinken dann schnell wieder in einem Teich aus Kompositionen, die auch der Feder der Cranberries oder der Cardigans entsprungen sein könnten und ein wenig überholt scheinen.

„The Brink“ ist ein nettes Popalbum, dem es jedoch an beeindruckenden Höhepunkten mangelt und dessen Texte zwar persönlich sind, aber insgesamt mehr in die Tiefe gehen könnten. Die Band schafft es zwar, abwechslungsreich zu sein, aber nur in ihrem schon bekannten Spektrum. Für alles, was da künftig kommen mag, wäre es schön, wenn der Mut geweckt würde, mal etwas neues auszuprobieren.

Ein Kommentar zu “The Jezabels – The Brink”

  1. jan onnasch sagt:

    The Jezabels sind für mich eine der größten Errungenschaften der letzten jahre. einfach zu hörende, obwohl gar nicht mal so einfach gemachte musik mit 100% wiedererkennungswert – ohne bassisten! na klar sollte sich musik, wie jede art von Kunst weiter entwickeln, doch dies ist das 2te Album der band und muss dann gleich alles anders gemacht werden, was sowohl band als auch Publikum gefallen hat?!? ich bin sehr dankbar wenn bands die ich neu entdecke, mit ihrem neuen Album wieder erkenne und mich nicht fragen muss, woher kennst du die oder die fand ich x gut??? es gibt eine menge Beispiele selbst großer bands, die heute nicht mehr hören mag; nicht unbedingt, weil sie schlechter geworden sondern einfach nur anders geworden sind: talk talk; Pearl jam; u2; travis….

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