Kimi KärkiThe Bone Of My Bones
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Label:
Svart
VÖ:
07.02.2014
Referenzen:
Paul Roland, Hexvessel, Leonard Cohen, Duncan Evans
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Manche Platten brauchen ja bekanntlich ein wenig länger. Als Uli, unser Beauftragter für obskure musikalische Auswüchse, in seiner regelmäßigen Liste rezensierenswerter Alben das erste Solowerk Kimi Kärkis (seines Zeichens Gitarrist bei den Doomern von Reverend Bizarre) nannte, war es Ende Januar und ich eigentlich direkt Feuer und Flamme. Doch nach einigen Durchgängen von „The Bone Of My Bones“ stellte sich die Frage, was ich denn nun Schreibenswertes zu Papier bringen sollte. So dümpelte das Album einige Wochen immer mal wieder in den Vordergrund und bei jedem neuen Hördurchgang wurde der feste Vorsatz gefasst: „Jetzt machst du dir dazu Gedanken!“. Mittlerweile ist es fast Mitte März und endlich, mit Beginn der ersten sonnigen Tage, scheint es ein Leichtes, den sieben Stücken eine aussagekräftige Beurteilung an die Hand zu geben.
Was bei „The Bone Of My Bones“ direkt auffällt: Es klingt völlig zeitlos. Sei es die fließende, manieristische Inszenierung, die einerseits mit lieblicher Instrumentenvielfalt und sanfter Choralstimmung aufwartet oder die sonore Stimme Kimi Kärkis, die nicht immer vollends von Wohlklang durchzogen, aber dennoch eindringlich, bestimmt und sicher in die Arrangements eingebettet wird.
Ein Blick auf die Titelliste verheißt überdies einen Hang zur Mystik, Titel wie „The Lord Who Never Sleeps“ oder „I Am Aries“ künden von geheimnisvollen Protagonisten und machen neugierig auf außergewöhnliche Geschichten. Böse Zungen sprächen jetzt von verstiegener Waldschrat-Poesie, doch Kärki behauptet sich demgegenüber, indem er jedem Stück mal mehr, mal weniger instrumentale Virtuosität angedeihen lässt. So taucht man mit „Archipelago“ in einen gleitenden Bewußtseinsstrom hinein, der von altertümlicher Gitarrenminiatur zu einem hymnischen Folksong wird.
Ganz anders als zu Beginn, wenn in „Red Rooster“ oder „My Name Is Free“ ein wenig Psychedelik in die mit viel Wärme vorgetragenen Stücke fließt und Kärki da an die letzten, leider wenig beachteten Alben Paul Rolands erinnert. Höhepunkt ist ganz eindeutig das frühlingsnebelumrankte „Young Goodman Brown“, das sich auf eine Kurzgeschichte Nathaniel Hawthornes bezieht und das dort thematisierte Wechselspiel zwischen Traum und Wirklichkeit musikalisch hervorragend ausarbeitet.
Es ist gut, dem Album die Zeit und die Stimmung zu gönnen, die es braucht. So wäre dem abschließenden, weit ausufernden und nahezu instrumentalen „Taxiarch“ zu Jahresbeginn ein deutlich weniger milderes Urteil beschieden worden, jetzt kündet es von knospendem Aufbruch. „The Bone Of My Bones“ ist trotz seiner Kürze kein Album für Zwischendurch, es braucht genau so viel Zeit, wie es eben braucht.


