Real EstateAtlas

Real Estate lassen nicht los. Auf den ersten beiden Alben stießen sie mit spielerischer Leichtigkeit in eine Lücke, die zuvor jahrelang nicht besetzt war. Solch behaglich zurückgelehnte Songs, die langsam aus der Zeit zu gleiten drohen und dabei doch so stringent daherkommen, waren einem vor ihrem Debüt in dieser Schönheit lange nicht mehr zu Ohren gekommen.

Real Estate strotzten immer nur so vor Vitalität und daher ist es auch kein Wunder, dass ihre Reise auch auf dem dritten Album „Atlas“ auf genau diesem Pfad weitergeht, zumal ihr Sound über nunmehr fünf Jahre Bandgeschichte hinweg keinerlei Abnutzungserscheinungen gezeigt hat. Die ersten Klänge des eröffnenden „Had To Hear“ versprühen sofort wieder eine beinahe unheimliche Vertrautheit. Die unnachahmliche Gitarre, die ausgewachsenen Jangle-Klänge und Martin Courtneys Storytelling machen klar, dass es wenig Grund für Veränderungen gibt, denn der Stil der Band verfängt nach wie vor. Auch im Folgenden setzt sich diese Vertrautheit fort, erstens gesteuert über Rückgriffe aus dem eigenen Fundus, zweitens aber auch über ein diffuses Gefühl, das sich immer stärker einstellt. Gespeist wird es durch eben jene Soundästhetik, die ein ums andere Mal mehr Wärme und Aufrichtigkeit versprüht, als es ein Wort jemals könnte. Spielend wechseln Real Estate die Schattierungen und fangen wie im Vorbeigehen für einen Wimpernschlag die Essenz des Folkrocks der 70er Jahre („Primitiv“) oder der Indiepioniere der 80er-Jahre („Horizon“) ein, nur um sie wenige Augenblicke später wieder in der Gegenwart aufgehen zu lassen.

Doch auch ihren tief reflektierenden Geist hat sich die Band erhalten und ausgebaut. Die sonnigen Klänge aus New Jersey stehen einer ernsthaften Auseinandersetzung vor allem – ganz dem Albumtitel entsprechend – über Zeit und Raum entgegen. „I’m just trying to make some sense of this/ before I lose another year“, gesteht Martin Courtney im ansonsten eher unscheinbaren „The Bend“, während er aus dem vor Lässigkeit strotzendem „Past Lives“ eine zutiefst melancholische Rückkehr an die Orte seiner Kindheit macht. Genau diese Eingebungen, mögen sie auf den ersten Blick auch noch etwas hinter dem sonnigen Klangbild zurückstehen, tragen auch auf „Atlas“ dazu bei, dass es insgesamt gesehen niemals gleichförmig erscheint und jeder Vorwurf fehlender Dichte an ihm abprallt.

Über das gesamte Album betrachtet – und hier ließe sich dann wirklich erstmals so etwas wie eine sanfte Veränderung feststellen – könnte der nachdenkliche Geist der Lyrics mehrheitlich sogar den unbedarften des Sounds überstimmen. Aber wie dem auch sei: Nicht zu viel zu ändern, war auf auch dem dritten Album goldrichtig. Der Zauber der Band scheint einfach nicht zu verblassen.

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