Stark startet „The Classic“, das fünfte Album von Joan Wasser alias Joan As Police Woman, und ausgerechnet dann, wenn man es sich schön gemütlich gemacht hat, lässt die zweite Hälfte deutlich nach und zieht dem Hörer das Kissen unterm Hintern weg.

Doch alles erst mal auf Anfang: Mit der knallbunten Retro-Soul-Nummer „Witness“ leitet Wasser den Nachfolger des 2011er-Werkes „The Deep Field“ ein, swingt sich durch die breite Instrumentierung, lässt den Bläsern Raum und inszeniert sich selbst als große Diva. Das Niveau kann sie niemals halten? Zunächst schon. Die erste Single „Holy City“ erinnert zumindest angenehm an die alten Motown-Zeiten und heizt mit ordentlich tanzbarem Rhythmus die Meute an. So soll es sein.

Das erste Mal knickt Wasser schließlich ausgerechnet dann ein, wenn sie den großen Bombast zurückfährt und im relativ minimalistischen „Get Direct“ ihre Stimme die Hauptarbeit leisten lässt. Dass diese über viele Facetten verfügt, steht außer Frage – ebenso aber auch, dass zur reinen Unterhaltung immer etwas mehr gehört und man hier leider bis zum Schluss auf den überspringenden Funken wartet.

Das dazu vollkommen im Gegensatz stehende aufreizende „What Would You Do“ wirkt da unnötig fehl am Platz und zieht der eben gerade noch unschuldigen Jungfrau Maria mit Gewalt die knallrote Reizwäsche an. Währenddessen klingt Wasser, als wolle sie den letzten Rest vom Retro-Vermächtnis einer Amy Winehouse mit möglichst vielen Zusatzstoffen strecken, damit er länger hält – und verkauft sich damit vollkommen unter Wert. Die Kurve kriegt sie letzten Endes doch noch knapp, „New Years Day“ sei Dank, mit der Mischung aus Dramatik und Authentizität, die „The Classic“ leider an so mancher Stelle fehlt.

Kurz vor der Zielgeraden funkt „Stay“ dazwischen, das mit fast fünf Minuten Spielzeit schlichtweg zu lang ist und dessen monotones, nach hinten ausgedehntes Ende auch vorher schon mehr als gut funktioniert hätte. Mit verspielten Reggae-Anleihen rettet schließlich „Ask Me“ das Album doch noch vor der Enttäuschung und sorgt für einen schönen Abschluss, den man sich anfangs wohl noch etwas anders vorgestellt hatte.

2 Kommentare zu “Joan As Police Woman – The Classic”

  1. Ralf sagt:

    Kommt noch eine Kritik zum aktuellen Album Blank Project von Neneh Cherry?
    VG, Ralf

  2. Pascal Weiß sagt:

    Hey Ralf, also zumindest mir gefällt die Cherry auch sehr gut. Bisher hat sich intern dafür aber leider keiner eingetragen.

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