Blood Red ShoesBlood Red Shoes
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Label:
Pias Coop/Jazz Life
VÖ:
28.02.2014
Referenzen:
Johnossi, Dum Dum Girls, We Are Scientists, Arctic Monkeys, Band Of Skulls
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Autor: |
| Philipp Kressmann |
Selten haben Promozettel Recht. Doch im Falle des neuen Albums von Blood Red Shoes dürften einige Passagen stimmen: So ist das selbstbetitelte vierte Studioalbum zwar nicht das „sexiest“ des Duos – das weiterhin für einen Sound sorgt, der eigentlich auf eine Vierbesetzung schließen lässt – aber zumindest doch das bisher „rawest and most confident“ klingende geworden. Im Gegensatz zu den diesmal in Eigenregie von Laura-Mary Carter und Steven Ansell arrangierten Stücken erscheint der Vorgänger „In Time To Voices“ nun zwar immer noch nicht wie ein Ponyritt, aber doch ein wenig gemächlicher. Selbstbewusstsein zeigt „Blood Red Shoes“ auch, nicht nur weil der zuvor verpflichtete Arctic-Monkeys-Produzent Mike Crossey in die Wüste geschickt wurde.
Carter und Ansell kann man sich eben nur in Dreck, Schmutz und Staub vorstellen. Klar, dass die beiden auf ungestümen Indiepunk beharren, ist keine große Überraschung, aber eben auch keine Selbstverständlichkeit. Viele Bands, die anfangs auf Zweierkonstellation setzten, haben sich mit der Zeit Verstärkung dazugeholt – im Fall von Johnossi beispielsweise sogar jemanden, der Synthies bedient. Derlei Teufelszeug kam dem Paar aber nicht in die Garage, ging es doch gar nicht ums Erweitern des Klangbilds, sondern darum, es noch reduktionistischer und somit dreckig dichter zu inszenieren. Schon das noisige Eröffnungsstück „Welcome Home“ donnert los, poltert, fällt mit der Tür ins Haus – und kommt dabei ganz ohne Texte aus. Die Weichen sind gestellt. Raue Handarbeit inklusive der ersten Singleauskopplung „An Animal“, bis das melodische „Far Away“ eine kurze Atempause offeriert. Zumindest für eine halbe Minute.
Never touch a book by its cover: Man will weder die Gitarre von Carter sein, die eigentlich aussieht wie eine Lykke-Li-Epigone, noch das Becken von Ansell, der äußerlich auch dem Two Door Cinema Club entstammen könnte. Das Gespann liefert zackigen Indiepunk, der oft nach rohem Mix riecht und sich nicht darum schert, die DIY-Aufnahmearbeit zu kaschieren. Eher geht es darum, sie zu akzentuieren, deswegen hört man oft den Verstärker gemächlich ausklingen. Trotzdem ist es der Band erneut gelungen, die Waage zwischen punkigen und poppigen Momenten zu halten. „Behind A Wall“ bringt sogar kleine Shoegaze-Momente in kantiger Lo-Fi-Atmo und mit „Stranger“, auf dem sich einige Blechbläsersequenzen finden, ist ein fast schon wehmütiger Song entstanden. Das kann aber auch daran liegen, dass die größtenteils gewohnt fetzig unterkühlte Carter stimmlich ab und an ein wenig mehr Variation wagt.
Hedonistisch wird dem Hier und Jetzt in „Everything All At Once“ gehuldigt: „I´m not asking for permission to live anymore/ I´m not waiting for a future that might never come“. Solche leicht plakativ anmutenden Zeilen gehen schon in Ordnung, aber dann darf sich die Band auch nicht beschweren, wenn die Songs von manchen Ohren als kurzweilig empfunden werden. Blood Red Shoes („My feet are in the mud, my head is in the sun“ krächzt Mary Carter in besagtem Song) werden eben nicht die Experimental-Popper Talking Heads (bei denen singt David Byrne nämlich: „Feet on the ground, head in the sky“), sondern matschiger. Aber das wollen sie ja auch gar nicht sein. Befürworter originären und (deshalb) synthie-fernen Indie-Rocks werden Spaß an dieser Platte haben, die Anderen müssen diese Attitüde der Ungeschliffenheit nicht gut finden, aber einräumen, dass sie sie doch ziemlich konsequent geraten ist. So lautet beispielsweise eine Legende, dass die beiden bisher auf die Bezeichnung Indie-Rock verzichtet haben, weil ihre Alben über ein Major erschienen. Dabei würde es einfach wie die Faust auf das Auge passen.


