Diese Paarung erscheint so offensichtlich, dass es verwundert, dass sie erst jetzt zustande kommt. Hier scheint zusammenzufinden, was einfach vereint gehört: Sunn O))) und Ulver. Beide haben einen langen Weg zurückgelegt, beide einen nicht zu unterschätzenden Anteil daran – alle wahren Heads dürfen jetzt die Nase rümpfen – dass dunkelster Doom’n’Drone seinen Einzug in die Feuilletons fand.

Ulver führte der Weg dorthin von ihren Wurzeln im Black Metal mit Folkverweisen über Neofolk, Industrial Metal und Ambient und gipfelte 2013 mit „Messe I.X-VI.X“ in einer Kollaboration mit dem Tromsø Chamber Orchestra und einer Liveaufnahme (inklusive DVD-Veröffentlichung) in der norwegischen Nationaloper in Oslo. Hier könnte – mal abgesehen von der musikalischen Entwicklung – eine weitere Schnittstelle zu Sunn O))) liegen, lebten diese doch schon immer von der ganz großen Geste, verbunden mit einem extremen Hang zu Theatralik und Dramatisierung: Auftritte im dichten Nebel der Nebelmaschinen, gekleidet in Mönchskutten, bei beinahe maximaler Zelebrierung der Langsamkeit. Andererseits liegen zwischen der minimalen Performance von Sunn O))) an der Volksbühne und Ulvers YES-artiger Bombast-Prog-Oper natürlich Welten, aber die Wege des Doom’n’Drone sind unergründlich und die von Sunn-Mastermind Stephen O’Malley scheinbar ebenso.

Inwieweit das US-Duo und die Norweger für „Terrestrials“ über das erste gemeinsame Improvisieren 2008 hinaus zusammen in einem Studio waren, ist nahezu nebensächlich, denn das Ergebnis ist insgesamt angenehm homogen und nahezu organisch. Bläser, Streicher, Klavier, orchestrale, konzertante Klänge prägen das Bild, werden angereichert mit flirrenden Gitarren oder unterfüttert mit feinst ziseliertem Feedback. So entsteht ein Klangkorpus, der es dem Hörer ab einem bestimmten Punkt fast unmöglich macht, die Quelle eines Tones eindeutig zuzuordnen. Strukturell arbeiten Sunn O))) und Ulver sich eher an Formen der „klassisch“ geprägten Musik ab, dabei funktioniert das fast zwölf Minuten lange „Let There Be Light“ als Ouvertüre, welche sich langsam atmosphärisch aufbaut, um am Ende wachzurütteln. Auf den implizierten Verweis, der von dieser Titelwahl ausgeht, muss wohl nicht weiter eingegangen werden. Im Anschluss reisen wir im nun erhellten Land mit „Western Horn“ durch die Wüste und Leere eines unwirklichen, streckenweise verstörend schönen atonalen Gitarren-, Streicher- und Bläser-Drones, an dessen Ende zaghaft eine gezupfte Melodie die Überhand zu gewinnen beginnt. Diese weist uns derart geläuterten Adepten den Weg zum Wohlklang der ewigen Wiederkehr („Eternal Return“).

Obwohl, eitel Sonnenschein ist natürlich nicht das Thema von „Eternal Return“, eher die mit der ewigen Wiederkehr verbundene Melancholie und auch Trauer, dass es nie zu Ende geht – so könnte man sich wohl das Lebensgefühl dandyhafter, unsterblicher Vampire vorstellen, wenn es sie denn gäbe und sie nicht inzwischen vollends zu popkulturellen Lachnummern degradiert worden wären. Die eigentlich implizierte kontemplative Stimmung wird dabei immer wieder durch Klangartefakte, die nadelstichartig den relativen Wohlklang durchbrechen, in Frage gestellt. Diese Störgeräusche scheinen keinem geplanten Muster zu gehorchen, so dass man sich innerlich auf sie einstellen könnte, sondern durchziehen willkürlich den Song.

Wie ist das Gehörte nun zu bewerten? Wenn sich zwei Bands von der gefühlten Größe von Sunn O))) und Ulver zu einer Kollaboration treffen, liegen allein aus diesem Grund die Erwartungshaltungen schon mächtig hoch. Mit „Terrestrials“ liefern die beiden allerdings nicht mehr als eine solide Arbeit ab. Insgesamt gestaltet sich „Terrestrials“ wenig überraschend, denn es fehlt letztendlich das Unvorhersehbare, die Überraschung, der fordernde Moment, der die Zusammenarbeit zu einer herausragenden gemacht hätte und welche zum Beispiel die Arbeit der ähnlich aufgestellten ÄÄNIPÄÄ auszeichnet, oder der auf „Altar“ von Sunn O))) und Boris zum Tragen kam.

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