Die NervenFUN
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Label:
This Charming Man
VÖ:
07.02.2014
Referenzen:
Banque Allemande, Mission Of Burma, mclusky, 1000 Robota, Bauhaus, Surrogat
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Autor: |
| Laura Schaefer |
Das zweite Album ist bekanntlich das schwierigste, besonders wenn das Debüt gelingt. Rotzig, trotzig und mit deutschen Texten vereinten Die Nerven, ein aus dem Umland Stuttgarts stammendes Trio, auf ihrem Debüt „Fluidum“ Themen aus einer Generation, die depressiver und voller Weltschmerz kaum sein könnte. Nun heißt der Nachfolger „FUN“ und lässt Böses erahnen. Nach dem Untergang nun die Einsicht und Erleuchtung, ganz nach dem Motto „Carpe Diem“, „Nutze den Tag, als ob er dein letzter wäre“? Sagen wir mal so: „Fluidum“ war Punk, „FUN“ ist der Tag danach. Von Spaß weit und breit keine Spur.
Ohne dass Die Nerven vorher eine Idee gehabt hätten, entstand „Fluidum“ eher zufällig im Proberaum. Bedingt durch die vorhandenen bescheidenen Mittel klingt es kratzig und roh. Viel mehr als Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug brauchte es dafür eh nicht. Nun ist „FUN“ die konsequente Weiterführung dessen: Neben den genannten Instrumenten hat sich die Band aber auch noch an kleine Experimente gewagt, streut hier und da Hall ein oder lässt sich gar auf melodiösen Gesang ein. Dennoch vermisst man die musikalische Basis des Vorgängers nicht, klar ist weiterhin: Die Nerven machen keine runde Musik, sie hantieren gerne mit Ecken und Kanten. Das Ergebnis ist ablehnender, noisiger Garage-Sound, Post-Punk und Noise.
„Was auch immer wir jetzt lernen/ Ist mit Sicherheit nicht wichtig“. Direkt im ersten Stück „Albtraum“ wird man in diese trostlose Dystopie, oder eher wie von der Band gesehen Realität, hinein geworfen, die zehn Songs lang anhalten soll. Da ist dieser Albtraum zu Beginn noch das Läppischste. Zu treibenden Rhythmen und einem davonpreschenden Gitarrenspiel skandiert Sänger Julian Knoth in „Eine Minute Schweben“ diese allumfassende Resignation, die jeder schon selber erlebt hat. „Alles wie gehabt/ Nichts hat sich verändert“. Schlag auf Schlag, von Song zu Song, erlebt man eine 36-minütige Talfahrt aus Themen, die vielen sicher nicht fremd sind.
Besonders die Schnelligkeit und diese gewisse Härte des Instrumentalspiels tragen zu einer tristen Grundstimmung bei. In „Hörst Du Mir Zu“ baut das Trio immer wieder musikalische Steigerungen ein und lässt diese abflauen, analog zur eigenen Stimmung und dem steten Auf und Ab. Harte Riffs und ein kratziges Anschlagen der Gitarre in Punkrock-Manier, untermalt von Sätzen wie „Es ist immer noch dein Leben/ Auch wenn du selbst nicht mehr entscheidest“ wechseln sich mit eher sanft angeschlagenen Akkorden und ruhiger Begleitung ab, bis natürlich, wie nicht anders zu erwarten, das Lautstarke wieder die Oberhand hat.
Dabei sind die Songs an sich einfach gestrickt, von vielen Repetitionen durchzogen, Wiederholungen mit Statement. Im Schlüsselstück „Angst“ trauen sich Die Nerven durchaus melodischen Gesang mit New-Wave/Post-Punk-Einschlag zu. Fast als würde er ein Mantra vortragen, klagt Knoth: „In meinem Kopf spielen sich Dinge ab, die keiner versteht, die keiner verstehen will“.
Im Grunde geht es so die ganze Zeit weiter. Langeweile, Sehnsucht, Angst, das Unbequeme sind Themen, die Die Nerven gekonnt durch die Harmonie aus Text und Musik verbinden und den Zuhörer dadurch hypnotisch lauschen lassen. Radikal verändert hat sich die Band auf ihrem zweiten Album sicherlich nicht, aber das hat auch niemand erwartet. Sie steckt doch gerade erst mittendrin in der Jungerwachsenen-Depression.
So laut wie das Album ist, so leise endet es. Auch wenn alles irgendwie den Bach runtergeht und die Welt aus „Cellophan“ besteht („Nie Wieder Scheitern“), so gibt es doch noch eine versteckte Hoffnung am schwarzen Horizont: „In meinem Kopf wachsen Zellen zu Girlanden/ Dort wo niemand sie sonst sieht/ Ich bin noch nicht gescheitert/ Nur gewachsen[…]/ Ich bin noch nicht gescheitert/ Ich veränder‘ mich“. Da nehmen wir Euch gerne beim Wort.


