Marissa NadlerJuly
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Label:
Pias Coop/Bella Union
VÖ:
07.02.2014
Referenzen:
Alela Diane, Emily Jane White, Jolie Holland, Neko Case, Tara Jane O’Neil
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Autor: |
| Jennifer Depner |
Wenn Marissa Nadler vorher eine mindestens gotisch angehauchte Waldfee war, die mit ihren zwischen Folk und Pop wandelnden Perlen und hoher Stimme auf sich aufmerksam machte, schaltet spätestens ihr sechstes Studioalbum das Licht endgültig aus und aus der 32-Jährigen wird eine Begegnung der besonderen Art in der rabenschwarzen Kälte der Nacht.
„July“, welches in den USA den Wechsel zum Düsterlabel Sacred Bones markiert, ist ohne Frage Nadlers düsterstes Werk und wurde von niemand Geringerem als Randall Dunn produziert, der vor allem für seine Arbeit mit den Drone/Doom- bzw. Black-Metal-Bands Sunn O))) und Wolves In The Throne Room bekannt wurde. Headbangen gibt es bei Nadler natürlich nicht, dennoch gehen die elf Songs ungewöhnlich tief und stellenweise unbequem unter die Haut. Die unheilschwangere Melodie von „Was It A Dream“ bohrt sich ihren Weg in die Gehörgänge, die Streicher von Eyvind Kang sorgen für einen gänsehauterregenden Effekt im Herzschlagrhythmus und Nadlers Stimme scheint gleichzeitig warnen und trösten zu wollen. Etwas versöhnlicher zeigt sich der sphärische Eröffnungssong „Drive“, der dafür jedoch wie eine gespenstische Fahrt durch eine längst verdrängte Vergangenheit anmutet, in die man lieber keinen Blick zurück riskiert hätte.
Nach ihrem selbstbetitelten 2011er-Album, der dazugehörigen „The Sister“-EP und diversen Nebenprojekten – unter anderem einer mehr als spannenden Zusammenarbeit mit Emily Jane White auf deren letztem Werk „Blood / Lines“ – überrascht und erfreut der Gang zur etwas dunkleren Struktur gleichermaßen. „I cannot recall leaving, we said all / It’s a dead city in between“, singt sie in der ersten Single „Dead City Emily“, der schwermütige Grundton und Phil Wandschers Gitarrensolo im Mittelteil sorgen für einen festen Knoten im Hals, während Nadler wie schon in früheren Songs den perfekten Kompromiss zwischen detailverliebten Nuancen und verschwommener Melancholie findet.
Einen Bogen in die 60er-Jahre schlägt die Akustiknummer „Holiday In“ mit Reminiszenzen an Fleetwood Mac oder auch James Taylor, ohne den roten Faden des Albums außer Acht zu lassen. Wenn Nadler hier auch nur eine Sekunde gedacht haben könnte, sich in ein musizierendes Blumenkind zu wandeln, hat sie sich getäuscht: Das Grünzeug ist längst ausgetrocknet und dem Pflanzentod nahe. Immerhin stirbt es mit wunderbar beruhigender Untermalung. Mitten ins Herz trifft auch „Nothing In My Heart“, der letzte Song dieses stimmungsvollen Albums, das gleichzeitig vor Freude wie vor Trauer die Tränen in die Augen treibt, wenn die Bostonerin nach einem vermeintlichen Beziehungsaus allen Ernstes behauptet, nichts mehr im Herzen zu haben: „Maybe it’s the weather / But I got nothing in my heart“. Selten hat eine Lüge mehr wehgetan, und selten wurde sie so gut vorgetragen.


