AlcestShelter
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Label:
Prophecy Productions
VÖ:
17.01.2014
Referenzen:
The Album Leaf, Sigur Rós, Mogwai, Cocteau Twins, Slowdive
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Es war die perfekte Symbiose aus metallener Härte und weicher Klangfülle. Gerade auf dem letzen Album „Les Voyages De L’Âme“ zelebrierten Neige und Winterhalter ihre immer schon sehr eigene Version vertonter Traumsequenzen, die mal mehr, mal weniger raumgreifend bleibenden Eindruck hinterließen. Nun kommt mit „Shelter“ ein Nachfolger, der komplett auf Härte verzichtet und seine Strahlkraft aus Dreampop, Shoegaze und Postrock bezieht.
Schon mit dem kurzen Intro „Wings“ und der darauffolgenden Single „Opale“ zeigen sich die Franzosen sonnendurchflutet. Mit sanftem Vorwärtsdrang rauschen die Gitarren an den Chören der himmlischen Heerscharen vorbei und laden dabei zum Verweilen ein. Hübsch sicherlich, doch spätestens seit „Autre Temps“ vom Vorgänger ein Stück vorhersehbar. Auch „La Nuit Marche Avec Moi“ orientiert sich deutlich an den weiteren Stimmungslandschaften, schimmert klanglich an der Grenze zwischen Tag und Nacht und hüllt den sphärischen Gesang Neiges in ein glimmendes Korsett aus hallenden Gitarren und leise waberndem Schlagzeug.
Natürlich klingt auf „Shelter“ auch die Wehmut vergangener Werke an. So endet es mit „Deliverance“, einer zehnmütigen Sehnsuchtsorgie in schattierten Farben, die sich wie ein großes Panorama an den Himmel malen lässt. Doch zuvor ist definitiv mehr Licht als Schatten zu finden. Liegt es an Island als Aufnahmeort? Dessen Mischung aus schroffer Felsenstruktur und gleißenden Lichtreflexen auf dem Eis spiegelt sich häufig wieder, etwa wenn bei „Voix Sereines“ die Gitarren doch mal monumental aufeinandergeschichtet werden und nicht wie sonst eher gemächlich der Sonne entgegen fließen.
Trotz aller Versuche, dem Album mehr als nur einen Hauch Vehemenz anzugedeihen, kommen Alcest dieses Mal nicht über die bereits vielfach erwähnten Klangspektren in Cinemascope hinaus. Was auf „Souvenirs D’un Autre Monde“ noch hervorragend funktionierte, wirkt auf „Shelter“ zuweilen hübsch, aber eben nicht permanent zwingend. Zwar leuchten die ätherischen Momente immer noch so verzaubernd wie auf den Vorgängern, eine leichte Übersättigung bleibt nicht aus, daran kann auch das von Neil Halstead gesungene „Away“ nichts ändern.
Selbst wenn schon vorher der ursprüngliche Black-Metal-Bezug nur noch in Nuancen vorhanden war, stellt sich die Frage, ob das völlige Entfernen nicht doch eine Spur zu radikal war. Der Traum ist zwar noch längst nicht aus, der Phantasie aber ein paar mehr Grenzen gesetzt.


